
Ich hör ja wenig Musik in letzter Zeit, aus keinem bestimmten Grund, ist einfach so passiert. Und ich vergesse schnell, also nicht wirklich, Dinge und Ereignisse vergesse ich selten, aber Emotionen, die verschwinden sehr schnell spurlos, ein Phänomen, dem ich in meinen (offline-)Texten auf der Spur bin, ohne ihm wirklich nahe zu kommen. Das Leben ist seltsam.
Natürlich gibt es Trigger, die dann das Vergessene - oder vergessen geglaubte - wieder ausbuddeln, und wie der Hund in dem Gedicht, das wir seinerzeit in der Schule strafweise auswendig lernen mussten, so steht das Gefühl dann grinsend da und umarmt mich, als wäre gar keine Zeit vergangen. Gerüche sind stark, der Regen auf blühenden Frühlingsbäumen, auf staubiger Straße, das trägt die Jahre weg wie kaum etwas Anderes. Und die Musik natürlich. Musik ist Besonders.
Und so kam es, dass ich heute beim Bipa erstarrte und eine Minute lang auf die erstaunliche Produktvielfalt der Abteilung Haarfärbemittel starrte, obwohl ich derzeit gar keinen Bedarf habe - aber gesehen habe ich sie auch nicht richtig. Vielmehr lauschte ich, mit schräggelegtem Kopf und wachsendem Grinsen dem Track aus dem ansonsten meist unsäglichen Bipa-Radio, und tatsächlich starrte ich dabei gar nicht auf die Haarfärbemittel, sondern auf diverse Landstraßen, die zu diesem Song gehören, aber besonders auf elbanische, und irgendwie auch auf die Frau, die damals ich war.
Und das ist der Song. Ein garantierter Gute-Laune-Song. Egal, wie ich drauf bin, der wirkt immer. Das Leben ist schön, und es ist… meins.
Und das ist natürlich, wenn man auf den Text hört, ganz und gar kein glücklicher Song. Aber es ist auch schwer, auf den Text zu hören, weil da dieses Klavier ist. Da-didi-didi-didi-di. Und da ist sie, die gute Laune. unweigerlich. Da-didi-didi-didi-di.
Frau_Mahlzahn 15.5.2010 23:00 |
Äh, der Song beim Bipa? Ich hör' übrigens fast nur Schlagzeug. ... ... ... ... Jo, solche Lieder -- die einen von jetzt auf gleich in die Vergangenheit katapultieren... aber denen ausgerechnet beim _Bipa_ zu begegnen... (oder noch schlimmer: als sanfte Aufzugsmusik, ;-)). WAH! So long, Corinna |
trurl 16.5.2010 00:39 |
1993? Ja, das war ein gutes Jahr. Da war ich zum ersten Mal bei der Bikeweek in Daytona Beach, dem zweitgrößten Motorradtreffen der Welt. 400.000 Harley-Davidsons an einem endlosen Sandstrand aufgereiht und überall Menschen, denen es dabei überaus gut ging. In einem kleinen Laden suchte ich mir ein Jimi-Hendrix-TShirt aus und ging damit zur Kasse. Die dort sitzende Frau brach daraufhin in enthusiastisches Jubeln mit den Worten "Hey Bill, look! This guy wanna buy this groooovy Hendrix-Shirt!!!" Worauf Bill, offenbar ihr Freund, gleichfalls in freudig erregte, johlende Zustimmung verfiel. Ich wurde da nicht etwa verarscht, sondern die Stimmung war einfach so, dass man solche (eigentlich alle) Dinge schlicht und ehrlich super-groovy, voller Freude und vor allem seeehr entspannt fand. Und das eine ganze Woche lang. Jeder der 400.000 Harley-Fahrer dort, ohne Ausnahme. Die Stimmung war jedenfalls gut genug, dass ich bei einem anderen Händler gleich eine alte Harley gekauft habe, sie einpacken und mir nach Wien schicken ließ. Ich hab damals alles dafür ausgegeben, was ich besaß. Und das war wirklich sehr, sehr gut so. Höchste Zeit, mal wieder dort aufzutauchen. |
Chronistin 17.5.2010 02:44 |
Daytona, hm? Das könnte ja irgendwie einer der ganz wenigen Gründe sein, doch Mal nach drüben fahren zu wollen. Springen in Arizona wäre ein zweiter. Hm. @Fraz Mahlzahn: Tja, so ist das, wenn man älter wird. |