
Ally McBeal ist das hintervorletzte, finde ich. Einen der Gründe hat miss.understood hier schön ausgeführt, was Jeremin zu einem Rundumschlag gegen Psychotherapeuten und “neurotische Weiber” veranlasst hat. Das kommt wiederum bei Melody nicht so gut an.
Ich denke, die Standpunkte laufen aneinander vorbei. Was bei Jeremin primär am Pranger steht, ist die “Neurose als Pose”, die offenbar alle paar Jahre aufblüht und gelangweilte Menschen in Dauertherapien ohne sichtbaren Erfolg (bzw mit sichtbarem Misserfolg) führen. Diese Menschen sind tatsächlich vorwiegend Frauen; obwohl ich auch einen männlichen Vertreter der Spezies kenne.
ModeneurotikerInnen gehen nicht zur Therapie, um Lebensqualität (für sich selbst und ihre Umwelt) zu verbessern, sondern um sich einen interessanten Defekt mit klingendem Namen für Cocktailparties, Stammtisch oder Kaffekränzchen zuzulegen. Sie sagen dann Sätze wie: “Ich kann es nicht ertragen, von meinem Partner getrennt sein, weil ich als kleines Kind in diesem Einkaufszentrum meine Mutter verloren habe. Verlustangst, eben.” Sie begreifen ihre Therapie nicht als Chance zur Veränderung, sondern als Ausredenbeschaffer. Grausam ist dann der Partner, der, obwohl er es “doch weiß”, trotzdem abends einmal mit seinen Freunden weggehen will. Oder die Partnerin, mit ihren Freundinnen.
Es sind die Leute, die bei etwas anderen Vorbedingungen alle Missgeschicke im Leben auf ihr Horoskop oder ihre Chakren oder auf das Fahrrad in China schieben würden, das leider zum falschen Zeitpunkt umgefallen ist.
Gegen die Psychotherapie an sich sprechen diese Beispiele folgerichtig nicht; sie sprechen viel mehr gegen eine (Medien-)Gesellschaft, in der das permanente Scheitern an der eigenen Unzulänglichkeit deutlich höheres Interesse hervorruft als deren Überwindung.
kathleen 11.7.2004 06:00 |
Wo darf ich unterschreiben? |
Chronistin 11.7.2004 23:49 |
Wie könnten einen Verein-gründen ) |