
Es mag jetzt 6 oder 8 Wochen her sein, dass ich den ersten Artikel über dieses CERN-Experiment gelesen habe. Ein paar Tage später tauchten die ersten Panik-Theorien auf. Dass nämlich durch das Experiment am 10. September (heute in einer Woche) die Menschheit in ihrer Gesamtheit gefährdet wäre, weil dadurch schwarze Löcher geschaffen werden könnten, die die Erde stückchenweise verdichten und damit nicht nur uns alle, sondern möglicherweise die ganze Galaxie vernichten.
Naja. Dachte ich. Und, dass die Wissenschafter schon wissen werden was sie tun, und dass alle großen wissenschaftlichen Theorien auch Gegner hatten, die mit allen Mitteln versucht haben, den Fortschritt zu verhindern.
Mit anderen Worten, ich war nicht sonderlich beunruhigt. Eigentlich genaugenommen gar nicht.
Bis dann, vor ein paar Tagen, einer der CERN-Wissenschafter vor Kamera und Mikrophon trat. Er sagte - sinngemäß, nicht wörtlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Experiment schwarze Löcher produziert, ist außerordentlich gering. Und wenn, dann sind es nur ganz kleine, die unserer Einschätzung nach überhaupt keinen Schaden anrichten können.
Äh.
Ich bitte um Verzeihung, falls ich da jetzt etwas unzulässig verdichte, aber für mich hört sich das an wie: Wir haben keine Ahnung, was genau passieren wird, wenn wir diesen Schalter umlegen.
Und das hat mich dann doch etwas besorgt gemacht. Ich mein, nicht dass ich jetzt wirklich glauben würde, dass wir nächsten Donnerstag alle nicht mehr da sind. (Und wenn, dann würden wir’s vermutlich ohnehin nicht mitkriegen… und dem Universum ist das ohnehin egal.)
Jedenfalls hat mich die ganze Geschichte an einen Song erinnert. Den Nachrichtensprecher-Text für diesen Track (für alle Synth-Allergiker: Relevante Stelle beginnt bei ca. bei ca 5:40) könnte ich tatsächlich auch nach dem CERN-Techniker-Interview geschrieben haben. Realität und Imagination gleichen sich doch irgendwie immer weiter an. -
Und wenn alles gut geht, wovon wir jetzt einmal optimistischerweise ausgehen wollen, bleibt von der ganzen Geschichte immer noch das wunderbare Wort Schleunchenbeteiliger.
Kaltmamsell 4.9.2008 20:20 |
Ach was, ist doch alles Teil der PR-Maschinerie (das Ding ist TEUER). Die Aussage erinnert mich eher an "Fierce Creatures": Alles, was den LHC interessant macht, ist recht - selbst wenn es eine potenzielle Gefährlichkeit ist. (Nur ein echter Wissenschaftler gibt zu, dass er nicht zu 100 Prozent weiß, was bei einenm Experiment raus kommt.) |
trurl 4.9.2008 22:34 |
Also, falls es beruhigt: Die ganze Galaxis wirds sicher nicht erwischen. Nicht einmal unser Sonnensystem. Wenn, dann nur die Erde, und das ist ja aus kosmischer Sicht nun wirklich kein so großer Brocken. Stark an dieser Sache finde ich, dass nicht einmal Douglas Adams eine vergleichbare Idee hatte. |
Chronistin 4.9.2008 23:02 |
Trurl, wer weiß, vielleicht ist das alles nur eine Verschwörung zum Bau einer intergalaktischen Schnellstraße? Die PR-Theorie ist aber auch nicht schlecht... Ich seh grad, die Vorspeisenplatte ist wieder da. Da kann ich mein neues Lieblingswort ja auf den Artikel verlinken! :) Heute war übrigens wieder ein Physiker in der ZiB2, der gesagt hat, es sei "sehr unwahrscheinlich", dass etwas passiert. - Nicht, dass mich jemand missversteht - ich ergehe mich keineswegs in Weltuntergangsphantasien (jedenfalls nicht mehr als sonst auch) - ich find's nur seltsam, mit etwas rumzuspielen, von dem wir im Grunde sehr wenig wissen. (Vielleicht bin ich sogar ein bissl neidisch. Ich wollt ja, so mit 17, kurzzeitig auch Mal Atomphysik studieren. Meine Großmutter meinte: "Untersteh dich. Lehramt, das ist was Ordentliches!") |
Kaltmamsell 5.9.2008 06:51 |
"Sehr unwahrscheinlich" ist die einzig seriöse Aussage. Kenne ich übrigens auch als Physiker-Einschätzung zum Thema Gott oder Alien-Entführungen: sehr unwahrscheinlich. Möglicherweise gibt es nichts, was ein seriöser Physiker absolut ausschließt. |