Andrea Sturm

Falsch verdächtigt

18. Februar 2012, 13:23 - Geschreibsel · Anderswelt

Vom Berg und an der Autobahn entlang mit den Fahrrädern, seltsam bullige BMX-Dinger sind das. Jemand steigt zu mir auf und ich brettere den Abhang hinunter, bremsen oder nicht bremsen? Als ich mich entschieden habe, ist es zu spät. Also nur noch lenken, es rauscht sich gut, dann Schrecksekunde, aber auch der Sand bringt mich nicht aus dem Gleichgewicht, und wir erreichen den Eingang zu der kleinen Universitätsstadt in den Bergen. Meine Passagierin steigt ab und bedankt sich überschwenglich. Der Sufi bremst sich neben mir ein und grinst ein zufriedenes Geschwindigkeitsrauschgrinsen.

Es ist gar keine Stadt, ein winziges Dorf ist es und mitten drin ein riesiger Universitätskomplex. Berge und Dorfarchitektur vertraut als wäre es bei uns, aber es ist doch irgendwie im Süden. Dennoch wird hier Deutsch gesprochen. Der Herr Sufi ignoriert wie üblich alle Schilder und stürmt die Treppe hinauf, an der “Ausgang - kein Zutritt!” steht. Eine Menschenmenge kommt uns entgegen. Ich habe Mühe, mein Fahrrad über die Zutrittsbarriere zu stemmen, während er oben schon mit dem Verantwortlichen diskutiert. Schwarz, schwarzer Bart, schwarze Kleidung. Der Mann sieht mich böse an und sagt: “Für Sie habe ich garantiert keinen Job, wenn Sie schon die einfachsten Regeln missachten.” - “Wieso Job?” frage ich und will erklären, dass wir von hier berichten sollen, der Sufi und ich, ein schönes Stimmungsfeature über das Studieren in den Bergen. Der Sufi aber ignoriert ihn und zieht mich an der Hand in das Gebäude, mein Fahrrad bleibt stehen. Durch Keller und Abstellräume kommen wir ins Hauptgebäude des Komplexes, wieder lange Treppen, ganz oben ein Restaurant aus Glas. Mit bleibendem Staunen bewundere ich die Landschaft, während wir Kaffee trinken. Von weither grollt sich ein Gewitter heran. Wie die Wolken wechseln mit dem blauen Himmel, vor und hinter den schroff-grünen Berghängen.

“Wir sollten zum Hotel fahren”, sagt der Sufi, “bevor die Ausrüstung nass wird.” Er trinkt aus und will das Auto holen. “Mein Fahrrad”, sage ich. Ich werde es holen, dann treffen wir uns wieder. In den gläsernen Gängen mit vielfältigen Lichtinstallationen verlaufe ich mich ein ums andere Mal, lande schließlich in einer kombinierten Bibliothek und Buchhandlung, auch hier viel Glas auf 3 offenen Ebenen, dazu Holzbänke, und eigentlich möchte man sich hinsetzen und verlieren in der Büchervielfalt. Ich denke, man könnte ja auch das Gewitter hier abwarten, da ruft mich eine Frau. Sie hat mich erkannt, sie hat uns hierher eingeladen. Sie kann mich zu meinem Fahrrad bringen.

Vor dem Ausgang der Bibliothek ein gemütlicher Gastgarten, Schirme, alte Bäume, Studenten sitzen hier und lernen, lesen, tratschen. Plötzlich Aufruhr und Schreie, irgendwo um die verwinkelte Ecke. Ein seltsames Geräusch, riesige Tropfen müssen das sein auf den Platanenblättern, aber seltsam, immer 3: Pfltsch-pfltsch-pfltsch, kurze Pause, dann wieder drei. Das sind keine Tropfen, begreife ich ich dann, es sind Schüsse, und schon pfeift eine Kugel heran und bringt die Glaswand zum sirren, laut und intensiv. Die Schussgeräusche dagegen bleiben klein und blass, während Hektik ausbricht. Um die Ecke fällt einer mit einem großen roten Fleck auf der Brust, auch im Gastgarten die ersten Treffer. Ich laufe in die Bibliothek zurück, hoffe, dass die Scheiben halten. Meine Führerin spricht hektisch in ein Funkgerät, dann sieht sie mich. “Lauf!” sagt sie und zeigt in eine Richtung. Ich laufe, die Treppe hoch, andere um mich herum laufen auch, zerstäuben dann in verschiedene Gänge. Dort, wo ich hin soll, wieder ein gläserner Gang, man sieht genau in die Gasse, in der es angefangen haben. Da unten liegen Menschen, erschossen, angeschossen. Immer in Dreier-Gruppen, so wie die Schüsse fielen. Fotografieren, denke ich, das muss man fotografieren, damit niemand sagen kann, es wäre anders gewesen. Sie werden es ganz anders erzählen, wenn niemand das Gegenteil beweisen kann. Jemand muss das festhalten, damit es niemand anders erzählen kann. Meine Kamera ist im Auto. Hat denn niemand eine Kamera? Niemand hat eine Kamera, und es ist auch niemand interessiert, denn das Geräusch der Schüsse hat sich verändert, hallt jetzt bassig durch den Bibliothekssaal. Folgt uns in den Gang. Ich bin nicht schnell genug. Eine Treppe führt nach unten, ich lasse mich fast hinunter fallen, eine weiße Tür, angelehnt, dahinter Turnsaalgarderoben.

Hier ist nichts mehr mit Glas und Glamour, Kellerfitnessstudioumgebung, ich ducke mich zwischen zwei Garderobenkästen und habe doch kaum Hoffnung, sie werden mich gesehen haben, sie werden mich atmen hören. Schritte auf der Treppe. Ein blondes Gesicht an der Tür vorbei, “Alle! wir müssen sie alle kriegen!” - Das wars dann, denke ich. “Dort!” eine andere Stimme, die Schritte entfernen sich, dann wieder Schüsse. Ich warte, lange. Unsicher. Was jetzt?

Mein Telefon läutet. Der Sufi. “Das verdammte Auto springt nicht an.” Ist auch besser so, sage ich. Hier wird geschossen. Bleib wo du bist, ich bin gleich da.

Jetzt ist nichts mehr verwirrend an den Gebäuden, ich finde die Ankunftstreppe ohne Probleme. Der Dunkle sitzt oben in einem Campingstuhl und liest in der Zeitung, als wäre nichts geschehen. “Da unten wird geschossen” sage ich zu ihm. “Ich weiß. Hab’s ohnehin satt.” Er schaut kaum von seiner Lektüre auf. Mein Fahrrad ist weg. “Nehmen Sie meins.” Er hat offenbar vergessen, wie zornig er uns war.

Sirenen und Hubschrauberlärm begleiten mich aus dem Dorf. Auf einer verlassenen Tankstelle zapfe ich einen Kanister voll Diesel, vielleicht ist ja nur der Tank leer, denke ich. Auf dem Parkplatz sitzt der Sufi und brät ein Steak am Campingkocher. Wir sollten verschwinden, sage ich. Nach dem Essen, sagt der Sufi. Am Parkplatz vorbei gluckert ein kleines Bächlein, der Sufi hat seine Hängematte in den Bäumen aufgehängt. Ein Polizeiwagen biegt auf den Parkplatz ein. Der zerzauste Landpolizist schaut zögerlich drein und fragt, ob wir etwas gesehen haben. “Ja,” fange ich an “Nein!”, unterbricht mich der Sufi und bietet dem Polizisten ein Stück vom Steak an. Der schüttelt bekümmert den Kopf und geht.

Ich schalte das Radio ein. In der Bibliothek hat es angefangen, erzählt der Sprecher, dunkle Männer seien es gewesen. “Es war ganz anders” sage ich. Der Sufi nickt. “Auf der Straße hat es angefangen. Und der Mann war blond”, sage ich. “Hmhm”. sagt der Sufi nur.

Wir fahren durch das Dorf. “Hier hat es angefangen, in dieser Gasse”, sage ich. Die Gasse, in der die Erschossenen gelegen sind, ist sauber und aufgeräumt. Die Gastgärten sind gut besucht. “Lass uns einen Kaffee trinken”, beschließt der Sufi. Ich will das nicht, nicht da, wo vor ein paar Stunden noch Tote und Verletzte gelegen sind, aber er ist schon ausgestiegen. Alles sieht aus, als wäre nie etwas passiert. Nur drüben am Eingang zur UNI stehen ein paar Einsatzfahrzeuge.

Zwei Polizisten führen den Dunklen vorbei, in Handschellen. “Er war das nicht!” rufe ich. “Ich weiß” sagt der Polizist und knufft den Dunkeln in die Seite. Der zwinkert mir zu. “Er hat nur gelesen,” sage ich, “Er hat mir sein Fahrrad gegeben!” - Aber mein Satz ertrinkt in den Kirchenglocken, die plötzlich läuten, sehr laut, und nicht mehr aufhören wollen. Die Schallwellen zeichnen Kringel in den Kaffee.

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Long Long Time Ago

13. Februar 2012, 23:54 - Geschreibsel · Nostalgia

Hätt’ ich mal auf meine Großeltern gehört und das Akkordeon damals nicht an den Nagel gehängt, dann wär ich jetzt vielleicht… ja was? Eine totgesoffene Volksmusikerin?

Stattdessen in die große Stadt gezogen und in einer WG gewohnt. Das Zimmer war vorwiegend mit Wäscheleine und Kassettenrekorder möbliert. (Eine Matratze gab’s aber auch noch, irgendwo.)

Irgendwas hab ich wohl doch richtig gemacht, damals.

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Ein wunderbares 2012 wünsche ich uns allen!

31. Dezember 2011, 19:11 - Chronistisch

Kaum hält man es für möglich und doch ist es schon wieder so weit. Das alte Jahr neigt sich dem Ende zu und ein neues scharrt in den Startlöchern. Höchste Zeit, einander noch einmal unter Einbezug aller denkbaren Laster zuzuprosten!

Ganz ehrlich: Das, was ich mir für 2011 vorgenommen hatte - mehr Kontakt, mehr Kommunikation, mehr oder weniger schmutzige Lieder bei ein bisschen mehr Kaffee und viel mehr Wein, das hat leider nicht so ganz geklappt. Aber wir sind ja alle hier auf der Welt, um zu lernen - und deshalb nehme ich mir für 2012 gleich noch einmal dasselbe vor - und wenn wir schon dabei sind: Mehr davon!

Wer Lust hat, einen Blick darauf zu werfen, was der Herr Sufi und ich im beinah schon vergangenen Jahr so alles angestellt haben - hier ist die musikalisch untermalte Video-Kurzversion davon. Ganze action-reiche 5 Minuten lang!



(Wer das Video hier nicht sieht, bitte hier klicken.) So viele unerzählte Geschichten, so wenig Zeit! - Und weil ich sie (die Zeit!) nicht anhalten kann, bleibt mir nur mehr zu sagen:
Alles Gute für 2012! Ich hoffe, wir sehen uns (wieder)!

Mystery Pic

20. Dezember 2011, 00:33 - Fotografisch · History-Clip

Mein (alter, aber teilweise durchaus noch präsenter) Screen-Name Chronistin ist heute etwas ins wanken gekommen. Als Teil meiner Feierabends-ToDo-List stand “Altlasten digitalisieren” auf dem Plan, und folgsam nahm ich die nächstbeste Filmtasche voller Negative in die Hand und legte sie auf den Scanner. Zwischen Konzertfotos (demnächst auf dem anderen Kanal) und freundlichen Freizeitlächlern fand sich eine Reihe von Fotos aus einem Lokal, an die ich nicht einmal den Hauch einer Erinnerung habe. Dass jemand anderer damals meine Kamera verwendet haben könnte, ist ausgeschlossen. Über aufklärende Hinweise (welches Lokal könnte das sein?) würde ich mich freuen. Das Aufnahmedatum liegt, der Filmnummer zufolge, ca. zwischen August und Oktober 1990.

[Danke, gelöst & freundlich um Entfernung des Fotos gebeten worden.]

Music was my first love (und Spotify hat uns wiedervereint)

03. Dezember 2011, 01:24 - Musik & Sound

Ich weiß noch genau, wann die Musik in meinem Leben den Stellenwert bekommen hat, den sie heute noch hat. Es war im Internat, als eine Freundin eine Kassette mitgebracht hat, die sie aus dem Auto ihres Vaters mitgenommen hat. Jethro Tull, Aqualung. Ich war die einzige weit und breit, die einen Walkman hatte, noch dazu einen mit zwei Kopfhörerausgängen. Abends, unter der Bettdecke, mit Wasserlunge und Lokomotiv-Atem, wurde Musik zu so viel mehr als einem netten Zeitvertreib: Ich hatte eine völlig neue Welt entdeckt, die mir lange Zeit ziemlich allein gehörte. Schön, wir paar Gleichgesinnte aus dem Mädchenpensionat fanden uns zu heimlichen nächtlichen Listen-Ins zusammen, wenn jemand eine neue Kassette aufgetrieben hatte, wir schwärmten für Chansons und für die damals durchaus noch lebendige Austropop-Szene, für Simon und Garfunkel und fürCat Stevens. (Für ein Autogramm von Rainhard Fendrich hab ich zum einzigen Mal in meiner Schulkarriere einen Vormittag geschwänzt. Auch ich hatte meine peinlichen Momente)

Aber dass noch andere die Kraft der Musik so unmittelbar spürten wie ich, erfuhr ich erst nach der Matura. Als der Musikgeschmack potentieller Freunde viel wichtiger war als ihre sonstigen Ansichten und Besitztümer. Als wir einen Plan erstellten, wer zu den wenigen Sendungen, die damals in Österreich Neues zu Gehör brachten, “Aufnahmedienst” hatte, damit wir uns ein paar Tage später alle um die Stereoanlage versammeln und interessantes hören und besprechen konnten. Die hektisch wirkenden Kassettenzusammenschnitte aus den wenigen Radiosendern, die das Horchen wert waren, mit Knacks und Moderatorgequatsche, hatten ihr eigenes Flair.

Mit der Zeit wurde es leichter. Ich fand Freunde, die selbst Musiker waren, und solche, die Interessantes begeistert und akribisch dokumentierten. Manche hatten Zeitschriften aus dem Ausland abonniert, aus denen man lesen konnte, was man bei uns im Radio nicht hören konnte. Manche ließen sich gar auf das Abenteuer ein, per Mailorder Platten zu bestellen, die lokal nicht zu kaufen waren - was Wochen und mitunter Monate dauerte und nicht zuletzt dank der Postgebühren ein verdammt teures Hobby war.

Dann kam das Internet, und damit eine ganz neue Ebene internationaler Vernetztheit. Ganz am Anfang, da war ich unter Menschen, die sofort die Idee hatten, das auch musikalisch zu nutzen, aber bei Übertragungsgeschwindigkeiten von 1200 oder 2400 Baud und den damaligen Telefongebühren wurde nicht wirklich was draus. Aber immerhin, man hatte Informationen!

Später kam MTV (anfangs wirklich eine Eröffnung!). Dann kam FM4. Dann kam der deutsche Rolling Stone mit seinen CDs. (Die Reihenfolge mag anders gewesen sein, aber in der genannten Reihenfolge kam es bei mir an.) Und allmählich kamen Internetverbindungen, mit denen man auch mehr als Text übertragen konnte. Die späten 90er und frühern Nuller-Jahre waren musikalisch das Paradies, von dem ich niemals zu träumen gewagt hätte, als ich im Internat unter der Decke steckte und meine treueste Leidenschaft entdeckte.

Aber das Paradies nutzte sich schnell ab. Die Songs auf den Rolling-Stone-“New Noises” Längst viel zu willkürlich. FM4? Ein großartiger Sender nach wie vor, aber etwas zu divers, um ihn durchzuhören - und die Sendungen, die etwas hergeben, verpasse ich meistens. MTV und Konsorten? Aus meiner Sicht längst mausetot. Bisherige Versuche von Online-Sharing und/oder Streaming-Diensten: Sometimes close, but no banana.

Wirklich. Ich hab’s mit last.fm probiert, mit blip.fm, mit iTunes, mit Simfy und mit grooveshark. Und mit Youtube sowieso schon lang. Alles gute Ideen, alle mit interessanten Ansätzen. Aber irgendwie furchtbar unvollständig im Katalog und/oder mühsam bedienbar. Krücken, alles nur Krücken, die in mir langfristig nichts anderes auslösten als den Wunsch, doch endlich die Zeit zu finden, meine gut verstauten CD/MC/Plattenkisten zu digitalisieren. Und natürlich ist so ungefähr jeder Track, der es jemals auf irgendeine Form von Tonträger geschafft hat, auch irgendwo downloadbar (Ausnahmen ausgenommen), aber es ist oft eine mühsame Suche. Und immer wieder auch die Frage: Was ist legal und was nicht? (Auch jenseits der reinen Strafbarkeit für jemand, der selbst Musik macht, nicht ganz unwesentlich. Man will ja keine Kollegen schädigen. Andererseits, will man den Major-Labels und der AKM und Konsorten wirklich Geld in den Rachen werfen, vor allem dort, wo die beteiligten Künstler eh längst tot sind?)

Irgendwie und irgendwann habe ich dabei weitgehend aufgehört, Musik zu hören. OK, ab und zu das Radio, ab und zu unterwegs eine neue Platte eines längst bekannten Künstlers, ab und zu nach 2 oder 3 Bier das Bedürfnis, allen anderen Anwesenden die Lieblingssongs von vor zehn Jahren um die Ohren zu hauen. Aber allein, daheim? Kaum. Und mir ist nicht einmal aufgefallen, wie sehr mir das abgegangen ist.

Als mein Vater vor einem Dreivierteljahr zu Spotify einlud und ich die Einladung nicht annehmen konnte - “in deinem Land nicht verfügbar” - dachte ich mir auch nicht viel dabei. OK, ein weiterer Streaming-Dienst, been there, done that. Und überhaupt, streamen? Musik, gute Musik, muss man haben. Besitzen. Auch wenn man sie Jahrzehntelang nicht hört, das ist eine Frage des Prinzips!

Und dann, vor 14 Tagen, Auftritt Spotify in Österreich. Es war mitten in meinem 4. Nanowrimo-Abenteuer, und in dem Moment brauchte ich vor allem eine Lärmquelle, die second thoughts zuverlässig ertränken konnte. Spotify konnte. So nebenbei nahm ich zur Kenntnis, dass das Spotify-Radio recht verlässlich meinen Geschmack entschlüsselte - sei es anhand der angeklickten Musikrichtungen, oder ob das Ding vielleicht auch die eingelesenen Tracks aus der lokalen Sammlung analysiert? Keine Ahnung. Jedenfalls war ich, erstmals überhaupt, durchaus einverstanden mit dem Mix, der mir da serviert wurde, ohne dass ich ihn selbst zusammengestellt hätte. Ich habe viel Musik gehört, die ich nicht kannte, die aber mit ganz seltenen Ausnahmen durchaus in mein musikalisches Beuteschema passte.

Als Nano dann vorbei war, habe ich mir die Sache genauer angeschaut. Da sind zum einen die Playlists, die man, im Gegensatz zu anderen Services, durchaus auch mit lokalen Dateien bestücken kann (solange kein DRM drauf ist). Ich habe gleich alle iTunes-Playlists übertragen, und dann habe ich noch ein paar alte und ältere nachgebaut, die ich in iTunes mit der einen oder anderen Neuinstallation längst verloren hatte. Auch wenn längst nicht alle Tracks der Welt in Spotify verfügbar sind - ich war höchst beeindruckt davon, wie viele man dann doch findet. Auch lokale, exotische, uralte. Und wenn sich etwas wirklich nicht finden lässt, wie gesagt, auch lokale Dateien kann man einbinden - und für andere Geräte verfügbar machen, vorausgesetzt, man verwendet Spotify Premium. Aber dazu komme ich noch.

Was mir noch aufgefallen ist, ist die hervorragende Soundqualität. Ich hab auch das, aus Zeitgründen, noch nicht technisch analysiert und kann nur hoffen, dass die beim Streamen übertragenen Datenmengen nicht das Fair-Use-Prinzip von UPC sprengen. Tatsache ist - der direkte Vergleich eines Songs aus meiner lokalen Library und des Spotify-Pendants ergeben einen deutlichen Klangvorteil für Spotify. Und das, obwohl ich darauf achte, mit der höchstmöglichen Qualität zu digitalisieren, 256kbit sind als Standard eingestellt. Ich hab immer behauptet, ich hör keinen Unterschied zur CD. Hah!

Ehrlichgesagt, ich habe in den letzten 14 Tagen zu Hause mehr Musik gehört, als in den letzten 5 Jahren zusammengenommen. Und ich habe eine neue Vision. Ich schaue nach oben und sehe ein riesiges, virtuelles Plattenregal, das auf Mausklick das ausspuckt, was ich grade hören will. Und in 8-9 von 10 Fällen klappt das auch. It’s music lover’s heaven. Wenn die Andrea aus 1985 das sehen könnte, ich fürchte fast, sie würde weinen vor Glück. Warum ich noch vor einem Monat glühende Reden für den physischen Besitz von Musik(Dateien) geschwungen habe, kann ich mir mittlerweile selbst nicht mehr erklären.

Natürlich hat auch Spotify Nachteile. Der größte ist wohl die hierzulands verpflichtende Bindung an einen Facebook-Account. Ich habe wenig Lust, meine Musik-Begeisterung, die viel älter ist als Facebook, genaugenommen sogar einige Jahre älter als das Internet, an einem Facebook-Konto aufzuhängen - vor allem, weil ich mein Facebook-Konto alle paar Wochen aus diversen Gründen eh am liebsten kündigen würde. Andererseits, ich hab’s noch nie gekündigt. Und auch wenn -  eine Email-Adresse und ein Name reicht für eine Facebook-Anmeldung, mehr muss niemand hergeben.

Ein anderer Nachteil ist die Voraussetzung des Premium-Accounts (€ 9,90/Monat) zur uneingeschränkten Verwendung, u.a. auf Mobilgeräten. Bei aller Liebe, das fühlt sich ein bisschen viel an. Aber (sehnsüchtiger Blick nach oben in die nahezu unendliche Musikwolke): Früher, als ich noch viel Musik gehört habe, habe ich locker 4-5 CDs im Monat gekauft. Im Vergleich dazu fallen die 9,90 kaum ins Gewicht, oder? Ganz sicher bin ich noch nicht, aber ich bezweifle, dass ich nach dem Testmonat, den ich gestern aktiviert habe, um mein Android-Handy in das neue Musik-Glück einzubinden, auf all das verzichten möchte.

Aber dann ist da natürlich der größte Nachteil von allen. Was ist, wenn morgen Facebook zusperrt? Spotify eingeht? Das Internet zusammenbricht?

Ganz ehrlich? - Dann hab ich immer noch meine Kisten mit CDs und MCs und Vinyl im Keller, und werde damit leben. Aber bis dahin, lasst’s mich bitte in Ruh. Ich muss jetzt ganz dringend noch ein paar hundert Playlists basteln.

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Nanowrimo 2011

01. Dezember 2011, 20:32 - Geschreibsel

Nach meiner vierten Runde Nanowrimo bin ich etwas erschöpft, furchtbar unzufrieden mit der Story, aber zufrieden damit, es durchgezogen zu haben.

Winner!

Im Rückblick auf vier Jahre Nano habe ich festgestellt, dass es vier sehr verschiedene Erfahrungen waren. “Been there, done that” gilt also nicht, es kann und wird vermutlich ein nächstes Jahr geben - wer weiß, was ich dann wieder über mich und das Schreiben lerne.

2008 war ich Nano-Neuling, hochmotiviert und bestens vorbereitet. Ich habe meinen täglichen Wordcount eingehalten und akribisch meine Fortschritte notiert. Herausgekommen ist eine Story, von der ich dachte - oder eigentlich immer noch denke - dass sie mit ein bisschen Zuwendung druckfähig und lesenswert ist. (Ich müsst es halt nur machen.)

2009 hatte ich eine neue Geschichte im Kopf, aber als ich meine Finger auf die Tastatur legte, drängten sich die Figuren aus dem Vorjahr in den Vordergrund. Die Geschichte war zwar rund, aber meine Charaktere vom letzten Mal waren noch nicht miteinander fertig. Ich ließ es zu, und es war ein Sequel, das man - mit etwas Arbeit - mit der 2008er-Geschichte verweben und diese noch lesenswerter machen könnte. (Ich müsst es halt nur machen.)

2010 hatte ich eine vage Idee im Kopf, die sich schon in der ersten Session als unhaltbar erwies. Entmutigt und von dummen RL-Problemen abgelenkt, gab ich schon vor Ablauf der ersten Woche auf.

2011 hatte ich den verwegenen Plan, in mein Unterbewusstsein zu tauchen und eine beinharte Abrechnung mit meinem bisherigen Leben zu verfassen. Allein, mein Unterbewusstsein sträubte sich. Statt tiefer Gefühle und Einsichten zauberte es sprechende Katzen, timewarpende Räume und eine Vielzahl an bunten Alternativ-Universen hervor. Das war ein bisschen frustrierend, und ich war mehr als einmal daran, den unliterarischen Unsinn hinzuwerfen. Es gab Tage, an denen ich gar nichts schrieb, Tage, an denen ich schrieb, aber keinen Worcount eingetragen habe, weil ich alles einfach nur unerträglich schlecht fand, und Tage, an denen ich mich an den Computer prügelte, um 2-3tausend Wörter aufzuholen, die ich aus Frustration am Vortag wieder gelöscht hatte. Weil ein zweites Mal “verlieren” wollte ich nicht. Am Schluss stand ein dreitägiger Schreibmarathon, 17.000 Wörter. Da bleibt keine Zeit zum Denken oder gar Rechtschreiben. Am Schluss hatte ich Hemmungen, das Ding zu validieren - weil einfach völlig klar war, dass das Resultat durch und durch Scheiße ist. Aber auf den zweiten Blick: Eine gute Geschichte wird ja bei Nano nicht verlangt. Es genügt eine Geschichte, mit Anfang, Mitte und Schluss, in mindestens 50.000 Wörtern. Und das habe ich auch “vollbracht”. Lesenswert oder gar literarisch wertvoll muss es nicht sein.

Daher wird von meiner heurigen Geschichte “Dark Days” nichts weiter öffentlich werden als dieses hübsche Wordle-Doodle. Und ich bin trotzdem zufrieden. Und das ist auch gut so.

“Dunkle Tage”

02. November 2011, 22:24 - Chronistisch · Geschreibsel

Muss schon sagen, Nanowrimo lässt sich etwas zäh an, dieses Jahr.

Nanowrimo2011 - Tag2

Nachdem ich die geplante Story im letzten Moment verworfen habe, hat mein Stream of Consciousness mir eine sprechende Katze, eine saufende Ex-Rocksängerin und einen kiffenden Physiker beschert, die alle miteinander tote Menschen sehen (na gut: Einen toten Menschen), muss ich wohl entweder komplett in Richtung Science Fiction abdrehen, oder eine Drogenorgie draus machen. Hm. Oder fang ich noch mal ganz von vorne an?

(Warum das Kommentieren in diesem Eintrag nicht möglich ist, ist mir selbst unklar. Schau ich mir morgen an.)

Am Zentralfriedhof ist Stimmung…

01. November 2011, 23:19 - Wien · Tageblogging

Der erste November ist ein Tag voller Symbole und Traditionen und als solcher einer, den ich am liebsten ignoriere. Aber aus irgendeinem Grund habe ich mir dieses Jahr in den Kopf gesetzt, den Zentralfriedhof zu besuchen um dort ein paar Fotos zu machen, und prompt fand sich auch jemand, der genau solche Fotos brauchen konnte, also: Kneifen war nicht drin. Ich rollte also am frühen Nachmittag, obwohl ich mich zu diesem nebelig-trüben Zeitpunkt lieber mit einem Buch auf meine trockene Couch zurückgezogen hätte, entschlossen Richtung 11. Bezirk, im 6er (natürlich hätte ich mit der U-Bahn deutlich schneller ums Eck fahren können, aber wenn schon Exkursion, dann bitte auch durch unbekanntes Gelände).

Im Vergleich zu den Zwangs-Besuchen meiner Kindheit (die allerdings alle auf Grazer Friedhöfen stattfanden) zeigten die Buden am Eingang zum Zentralfriedhof deutlich weniger Naschwerk, Nippes und Blumen, dafür reichlich Kränze und Saufzeug (Glühwein und Bier). Maroni gab es aber nach wie vor.

Zentralfriedhof

Drinnen war es ganz tröstlich trostlos, trotz all der vielen Menschen rundherum. Blumenbringer und Kerzerl-Anzünder waren in der Minderzahl, Feiertags-Spaziergänger und Familienausflügler hatten deutlich die Oberhand. Ich irrte durch die Reihen und fotografierte wie geplant einsame und kerzengeschmückte Gräber, las mit Staunen so manche Grabinschrift (Ob ein goldglänzendes “Auf Wiedersehen” ein freundliches Versprechen oder doch eher eine gefährliche Drohung darstellt, hängt wohl stark davon ab, wer da unten liegt).

Nach der fotografischen Pflicht mäanderte ich noch freiwillig durch die Ehrengräber. Schubert, Johann Strauß, und Beethoven durften sich auch nach vielen Jahren irdischer Abwesenheit an zahlreichen Kerzen und Blümchen erfreuen, von Blitzlichtgewittern und strahlenden Japaner_innen ganz zu schweigen. (Heimische Besucher gingen das dagegen teils recht pragmatisch an: “OK, Beethoven, Schubert, Brahms, 2x Strauß - fehlt uns noch wer?”)

Vor der Wucht des Hrdlickaschen Monuments verblassten Blümchen beinah chancenlos, und auch die Kerzen auf der anderen Seite hatten kaum Erhellendes beizutragen.

Sehr schlicht und beinah ungeschmückt das Grab von Hansi Dujmic. Mir war fast danach, ein Kerzerl hinzustellen, aber es gab nur noch solche mit Jesus und Kreuzerl. Das hätte ja nun gar nicht gepasst.

Nicht gewusst habe ich übrigens, dass auch der unnachahmliche Waluliso sehr malerisch und prominent bestattet ist.

Optisch höchst wertvoll fand ich auch das Grabmal von Emmerich Kálmán - Dunkelrote Rosen vor weißer Dame vor schwarzem Marmor - das hat was.

Die Politik ließ ich weitgehend unfotografiert liegen. Auffällig war mir nur der Kontrast zwischen zwei wirklich starken Frauen - der üppige Blumen-Schmuck für Rosa Jochmann gegenüber der rührenden Schlichtheit von Johanna Dohnals Grab, das auch eineinhalb Jahre nach ihrem Tod nur eine einfache Holztafel ziert.

Während es langsam dunkel wurde, spazierte ich durch den “Waldfriedhof” auf ländlich anmutenden Wegen, auf denen außer mir keiner mehr war. Abseits der zentralfriedhöflichen Hauptstraßen ist man offenbar auch an Allerheiligen schnell allein und darf dann philosophieren, was wohl passieren möcht’, tät’ man die Sperrstund versäumen. Ich versäumte aber nicht, sondern fand den Weg zurück in die Gräber-Zivilisation und schaute noch bei Falco vorbei, dem mit Abstand am meisten besuchten und kerzerl-geschmückten Grab weit und breit (auf den Extra-Tisch für die Kerzen hatte jemand ein Bild von Ronnie James Dio gelegt, das wirkte ganz seltsam jenseits und doch irgendwie schlüssig).

Danach, in Abwesenheit der traditionellen Allerheiligen-Spezialität meiner Kindheit (Türkischer Honig) noch die ersten Maroni des Jahres gekostet. Geschmack und Konsistenz ließen auf Vorjahresernte schließen, aber das Glück der Marktstandler bei solchen “Events” ist halt, dass sich im nächsten Jahr eh keiner daran erinnert, wie’s heuer geschmeckt hat.

Und schließlich mit dem 69a heimwärts gegondelt (den kannte ich bislang auch noch nicht).

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Der letzte Sommertag des Jahres

06. Oktober 2011, 19:26 - Chronistisch · Tageblogging

Gestern erst weit nach Mitternacht ins Bett, gerade noch die traurige Nachricht von Steve Jobs Tod mitgekriegt. Im ersten Augenblick an einen dummen Scherz gedacht, wegen der iPhone4S-Geschichte, aber es war schon auf allen Portalen. Es wird viel gestorben, dieses Jahr, dachte ich auf dem Weg ins Bett, wieder einmal, wie schon zu oft. Zu oft in diesem Jahr.

Too Many, Too Sad

Ich schlief schlecht ein, nicht wegen der Nachricht, sondern weil ich im Kopf noch meine monströse ToDo-List für den Morgen wälzte, die sich auch mit hoher Disziplin und viel Glück nur schwer ausgehen konnte. Dazu unbezahlte Rechnungen und überfällige Entscheidungen und nicht erledigte Telefonate, was man halt so denkt, wenn man eigentlich schlafen will. Aber irgendwann schläft man doch.

Der Wecker, dem meine temporäre Schlaflosigkeit egal ist, klingelt gnadenlos um 8. Ein seltsamer Traum mit überlaufenden Waschbecken und großelterlichem Elend, aufgelockert durch eine sonnige Fährenfahrt und einen anstrengslosem Körperflug entkommt mir im Detail, bevor ich ihn protokollieren kann. Die integrierte Wetterstation zeigt bereits um diese Zeit 27 Grad. Na gut, vormittags liegt der Außenfühler in der Sonne, aber trotzdem stark - für Anfang Oktober. Ich mache Kaffee und dann das Fenster auf und denke, während der Computer hochfährt, dass es vielleicht das letzte Mal in diesem Jahr ist, dass ich ärmel- und sockenlos unbeschwert das Fenster offen stehen lassen kann. Wenn der Wetterbericht stimmt. Er dürfte stimmen. Natürlich darf man sich nicht beschweren, denke ich, während ich mich mit Kaffee zum Schreibtisch setze, wenn es Anfang Oktober dann wirklich mal weniger als 20 Grad hat, aber andererseits, der Sommer war ja nicht so richtig, dieses Jahr, da kann doch wenigstens der Herbst… und innerlich beschwere ich mich doch, bitterlich, bis die Routine meine Gedanken in ihre Umlaufbahn zieht und nach einer stark abgekürzten Runde durch News und Netzwerke nur noch Arbeit auf dem Plan steht.

Der erste wesentliche Punkt ist mittags endlich erledigt, und kurz überlege ich, den Rest der Liste sein zu lassen und doch noch einmal zumindest die Zehen ins Wasser zu halten, warum nicht, WTF, das Leben ist kurz und ab einem gewissen Alter bereut man nur noch, was man nicht gemacht hat. Aber so etwas denkt man ja immer nur und tut es dann nicht, ich zumindest. Stattdessen eine Runde hier in der Gegend gedreht, ein bisschen Bewegung, ein bisschen Sonne, ein paar Fotos. Bei Annäherung eines für Stadt-Verhältnisse viel zu schnellen Jaguars an den Zebrastreifen, den ich gerade überqueren wollte, lächelnd betont langsamer gegangen, damit er extra bremsen muss. Erst ein paar Straßen später daran gedacht, dass er ja auch nicht hätte bremsen können. In gewissem Sinn ein Fortschritt, die Abfolge dieser Gedanken, für mich.

Dann noch ein halbes Stündchen im Park gelesen, die Sonne superwarm auf meiner Haut. Hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre ich bald in den Schatten gegangen.

Bilder, nicht fotografierte:
Die Frau, die im schäbigen Gastgarten der schlimmsten Säuferhütte des Bezirks in makellosem Business-Kostüm das Zeit-Magazin las, ein Glas Rose auf dem Tisch (vielleicht wars auch Schilcher), in dem die Sonnenreflexe tanzten.
Der riesige Hund, der ausgerechnet auf dem Zebrastreifen kacken musste; es dauerte, die Ampel wurde rot, die Gegenrichtung grün, der Hundehalter verzweifelt, erstaunlicherweise beschwerte sich kein Autofahrer, nur leises Lächeln allseits, bis das Geschäft erledigt war.
Die Tafel “Sturm’Zeit is’s” vor einem Lokal und mein Gedanke, dass eine Zeit mit solchen Apostrophen unmöglich die meine sein könnte.
Der alte Mann mit dem amputierten Bein, der jammer-bettelnd auf dem Gehsteig saß, aber wütend ausspuckte, als ihm eine Frau ein paar Kupfermünzen in den Hut warf.
Der junge Mann auf der Parkbank neben mir, der ein langes Telefongespräch führte und dabei seinen Körper mehr und mehr in sich selbst verknotete, während seine Seite der Konversation nur aus “Na”, “Na geh”, “Na wirklich ned” und “Na geh bitte” bestand.

Dann brav zurück nach Hause zur Arbeit getrottet, immer noch warm, immer noch bei offenem Fenster. Noch schnell Wäsche gewaschen, die ab morgen ja wieder länger zum Trocknen brauchen wird, also wenn es stimmt, dass der Sommer jetzt vorbei ist, aber - es wird wohl stimmen. Brav weitergearbeitet, bis es Abend wird.

Statt des 3-Mobilfernsehens, das seit dem Relaunch mehr zickt als läuft, dank des Herrn Sufis Einkaufslust The Lost Notebooks of Hank Williams aufgelegt und ein bisschen in Bildern und Netzen gestöbert. In all ihrer Old-fashioned-Country-lastigkeit passt die uber-schmalzige Musik fast schon zu gut in die Nacht. Highlights fürs erste: Bob Dylan, Sheryl Crow (erwartungsmäß), Norah Jones (nicht erwartungsgemäß).

Dann noch diverse Nachrichten nach-geschaut, alles Wesentliche ohnehin schon mitgekriegt. Die schwedischen Nachrichten, die machen übrigens mit 13 Minuten Literaturnobelpreis auf und alles andere kommt erst danach. Bin auf gerührte Weise begeistert. Den Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer gegoogelt und für sympathisch befunden. Dazu noch der nerdig-schönste Tweet des Tages (vielleicht sogar aller Zeiten):

Jetzt noch unter die Dusche und die Haare bei offenem Fenster lufttrocknen, - weil ich es kann. Vielleicht schlafe ich aus demselben Grund heute bei offenem Fenster. (Aber dann morgen wieder diese Baustelle, diese verdammte ewige Baustelle).

Aufgeweckt

01. Oktober 2011, 11:16 - Geschreibsel · Dialoge

Beim Hofer. Ein Vater mit Kind im Volksschulalter beschließt, den Wochenend-Einkauf gleich pädagogisch zu nützen.

Vater: Schau, da gibt es zwei Tafeln Schokolade, eine große und eine kleine. Die große hat 150 Gramm und kostet 1,89. Die kleine hat hundert Gramm und kostet 1,29.
Kind: tänzelt gelangeilt herum
Vater: Also, wenn wir jetzt wissen wollen, welche wirklich billiger ist… (überlegt sichtlich, wie er den komplizierten Sachverhalt ans Kind bringt) ...also dann müssen wir uns zuerst ausrechnen, was ein Kilo von der Schokolade kostet.
Kind: tänzelt noch immer
Vater: Also, wenn 150 Gramm 1,89 Euro kosten, dann kostet ein Kilo, also, da müssen wir zuerst… tiefe Falten zeichnen sich auf seiner Stirn ab, vermutlich wünscht er, er hätte nie mit dem Thema angefangen ...also, ein Kilo von der Schokolade, das sind…
Kind: Ein Kilo kostet 12,60.
Vater, verblüfft: Aha, wie hast du das gerechnet?
Kind, gelangweilt: Das steht auf dem Schild, Papa.