Andrea Sturm

Chronistin, außerirdisch (Datum ungefähr)

12. Februar 1979, 12:31 - Fotografisch · Geschreibsel · Nostalgia

Der glückliche Löwe

09. Oktober 1975, 13:00 - Fotografisch · Geschreibsel · Nostalgia
Der glückliche Löwe

[“Der glückliche Löwe” ist eine Märchenplatte, die ich in meiner Kindheit über alles geliebt habe. So sehr, dass ich sie auswendig konnte. Ich muss sie hunderte Male gehört haben, bevor sie den Weg alles Irdischen ging: In mehrere Teile zerbrochen fand ich sie eines Tages, nach der Rückkehr aus der Schule, im Müllkübel vor. Bittere Tränen wurden vergossen. Mütterliche Entschuldigungen samt Erklärung (ich sollte eben nicht immer alles am Boden liegen lassen) huldvoll, aber untröstlich entgegengenommen. Als meine Mundwinkel eine Woche nach dem Vorfall immer noch hartnäckig nach unten zeigten, zog meine Mutter los, um Ersatz zu besorgen. Das war nicht einfach; die Platte musste bestellt werden, das dauerte eine Weile. Endlich war sie da. Strahlend nahm ich sie entgegen, befreite sie aus den Hüllen und legte sie auf den Plattenteller. Ganz vorsichtig, wie der Großvater mir beigebracht hatte, legte ich die Vinyl-Scheibe auf den Teller, hob die Nadel an und ließ sie auf die Rille gleiten. Hörte etwa eine halbe Minute lang konzentriert zu. Ging dann erbost zum Plattenspieler, schaltete ihn aus und versackte die Platte in ihren Hüllen.



Der Anfangssatz meines Märchens hatte nämlich gelautet: “Es war einmal ein glücklicher Löwe. Er lebte in Afrik *knirsch* Jäger mit ihren Gewehren wohnen”. Der erste Satz auf dieser Platte lautete: “Es war einmal ein glücklicher Löwe. Er lebte in Afrika, dort, wo auch die wilden Jäger mit ihren Gewehren wohnen.”



Die Platte ohne Kratzer war einfach nicht meine Platte, und ich wollte sie nie wieder hören.



Ein einziges Mal habe ich die Platte danach noch aufgelegt, als nämlich ein Volksschulfreund während des Unterrichts krank wurde und ich ihm, da seine Mutter erst abends aus der Arbeit kommen sollte, Asyl auf unserer Couch anbot. Ich wollte ihm unbedingt etwas geben, verliebt wie ich war (verliebt, wie man mit 9 Jahren eben sein kann), und das Beste, was ich zu geben wusste, war die Geschichte vom glücklichen Löwen.



Naja. Er war eingeschlafen, noch bevor die bösen Jäger den glücklichen Löwen gefangen und für den Zoo verschifft hatten,  und ich lief auf Zehenspitzen um die Couch herum und versenkte die Platte wieder im Regal.]

Untröstlich [Datum ist ungefähr]

01. Juli 1972, 22:03 - Fotografisch · Geschreibsel · Nostalgia

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Tassi [Datum ist ungefähr]

01. April 1971, 12:00 - Fotografisch · Tierisch · Geschreibsel · Nostalgia

Saftiger brauner Kuchen

17. Juni 1970, 00:24 - Chronistisch · Rezepte

(Menge für ein durchschnittliches Backblech; für Tortenform halbe Mengen nehmen)

200g Butter
200g Zucker
6 Eidotter

schaumig verrühren, dann

4 Rippen Kochschokolade schmelzen (damit sind die breiten Rippen der bitteren Riesentafel gemeint) und unterrühren (nicht zu heiß, wegen Ei & Butter)

60g Semmelbrösel
200g kleingeriebene Haselnüsse [Noch besser Walnüsse, muss man dann aber nach Gefühl ein bisschen weniger nehmen]
100g Mehl & ein ganzes Backpulver
4 Esslöffel Rum unterrühren, dann ca 1/4l Vollmilch zusetzen (besser zuerst 1/8l und vom Rest langsam nachgeben, bis backfähige Konsistenz erreicht)

Schnee von 6 Eiklar steif schlagen & vorsichtig unterrühren.

Bei mittlerer Hitze im Backrohr ca. 35 Minuten backen (am Blech; Backzeit für Torte hab ich leider nicht - muss man testen…).

Kuchen kann wie gebacken gereicht werden oder in zwei Hälften geteilt mit Marmelade gefüllt (empfehle hierzu Ribiselmarmelade - oder auch Johannisbeere, wie das im Norden heisst - Marille schmeckt nicht so gut dazu) - oder auch zusätzlich mit Schokoglasur (was mir persönlich dann fast schon zu üppig wird).

Disclaimer: Für etwaige Gewichtszunahmen bin keinesfalls ich verantwortlich zu machen!

[edit] 5.8.2005 Natürlich hat sich seit jenen Tagen einiges verändert. Nach etlichen Jahren ohne Backrohr habe ich jetzt endlich wieder eines und habe endlich wieder diesen meinen Lieblingskuchen knapp hintereinander für 2 Geburtstage gebacken - mit folgenden Ergebnissen:

1.) Die Schoko-Tafeln sind jetzt flacher. Nimmt man die (erstklassige!) Manner Kochschokolade, sind statt der 4 eher 6 Rippen zu empfehlen.

2.) Die Backpulverpackerln sind deutlich größer geworden. Von der heutigen Größe reicht ein halbes völlig aus. (bei dem vielen Eischnee wäre es vielleicht sogar möglich, das Ding ganz ohne Backpulver zu backen? Das werde ich demnächst mal testen.)

3.) Rumaroma im Kuchen ist einfach nicht dasselbe wie Rum im Kuchen. Den Fehler mach ich bestimmt nie wieder.

Geschichte: Laut meiner Grossmutter, von der ich das Rezept habe, stammt es aus der Küche eines Gutshofs, auf dem meine Urgrossmutter Anfang des 20. Jahrhunderts in der Küche beschäftigt war. Vermutlich hat es schon vor meiner Zeit einige Veränderungen mitgemacht - ich kann mir kaum vorstellen, dass es zu jener Zeit schon Backpuöver in Tüten gegeben hat. Aber ich könnte mich auch irren.

Anlässlich der wiederentdeckten Backfreuden habe ich den “saftigen braunen Kuchen” auch einmal gegoogelt. Außer den offensichtlich von mir inspirierten Einträgen gibt es zwei Fundstellen: das ganze als Rehrücken bei abacho.de. Wieso man dort die Haselnüsse, Mehl Brösel und Milch abwechselnd unterheben soll, bleibt unklar - außerdem gehört der Schnee auf jeden Fall zum Schluss rein, sonst kann er ja seine Aufgabe des Lockerns nicht richtig erfüllen. Letzteres weiß auch Katharina Lehofer auf landwirt.com, nur hat sie den essentiellen Rum vergessen.

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