

Es ist ja bei mir so, dass ich einen vorüberziehenden Kottan durchaus ohne hinzuschauen sehen kann. Nämlich so, dass ich ganz was andres tu, und mich trotzdem punktgenau zu den Schlüsselszenen umdreh. Was jetzt nicht heißt, dass ich die Kottans auswendig kann. Nur fast.
Fast heißt nämlich auch, dass auch die Chronistin Mal was vergisst, manchmal sogar so Geniales wie die Konzert-Szene des “ausgeflippten Lodenfreaks”, mit dem noch frischen Stefan Weber und dem noch lebenden Falco, ach, ach, ach.
Das kann dann schon Mal ein Grund sein, sich umzudrehen und den anstehenden Task fallen zu lassen. Und dann kann man noch so einiges mehr entdecken und erinnern, naja. Dass zum Beispiel der Lukas Restarits durchaus fesch und, dare I say it, sexy gewesen ist. Oder dass die zu der Zeit ebenfalls blutjung gewesene Maria Bill nicht ganz unschuldig daran war, dass ich mich nie so richtig auf die reine Heterosexualität festlegen wollte, also zumindest in der Theorie, während in der Praxis… aber das ist eine andere Geschichte.
Warum meine Großeltern, deren Meinung zu der damals höchst avantgardistischen Krimiserie sich locker in dem Satz “so a Bledsinn” zusammenfassen ließe, trotzdem jedesmal wieder einschalteten, sei dahin gestellt - vermutlich lag es daran, dass man um 20:15 einfach fernzusehen hatte (was sonst) - aber ich bin im Nachhinein sehr dankbar, denn einen eigenen Fernseher hatte man damals so als Nachkomme noch nicht.
Kottan war jedenfalls zweifelsfrei die erste Krimiserie mit integriertem österreichischem Zeitgeist, und zwar von der allgegenwärtigen Hassliebe zum gemeinen VW-Käfer (ja, das ist Bob Dylan im Hintergrund)...
...über den Ö-3 Wecker mit der unentrinnbaren Vorturnerin der Nation…
...bis hin zu der archetypischen Wiener Koberin an sich:
Und dann, natürlich, war da noch die Musik. Ich red jetzt nicht unbedingt von Kottans Kapelle, die’s aber immerhin fertigbrachte, fremdschäm-trächtige Machwerke in freundlich-lustiges zu verwandeln, sondern mehr darüber, dass in fast jeder Folge ein Song versteckt war, den man so sonst nicht kannte. Hatte ich Drahdiwaberl schon erwähnt? ... Naja, hab ich wohl.
Aber jetzt? Der Pilch ist tot. Der Schrammel ist tot. Der Schremser ist tot. Dem Kottan seine Mama ist auch tot. Andere leben zwar noch, schauen aber längst nicht mehr gut aus. Und um dem zwar alten, aber durchaus kottaneksen Witz auch noch eine Chance zu geben: Manchmal fühl ich mich auch schon ganz schwach.
Was soll ich noch sagen? ... Ich sag nix.
“Nichts geht öfter schief als eine Nasenkorrektur.”
Der lange vermisste Club 2 ist zurück, und die unerwartete Reinkarnation ist nicht so schwach wie befürchtet.
Irrtümlich nach den Nachrichten den Fernseher laufen lassen und in den Seitenblicken einen lackaffigen Typen leicht nasal sagen gehört “Wissen Sie, Geld war nie eine Notwendigkeit für mich.” - Hätt’ ich eine Pumpgun, ich glaub, ich hätte auf der Stelle den Fernseher erschossen.
BR, 0:40: Wen-Sinn Yang spielt Bach Suiten
“Na, wenn er nichts Besseres vorhat…”
[Wobei das Thema ja eigentlich “not watching tv” heißen müsste]
Schöne Doku. Nur ohne meine Lieblingsgedichte.
Terminal ist übrigens durchaus ein passender Film zur Heimkehr, auch wenn nicht-fernsehen deutlich interessanter war. Nunja, zumindest, bevor der Schinken Spielberg- und Hanks-typisch unerträglich kitschig wird. - Globetrotter-Tipp am Rande: Solltet ihr vorhaben, auf einem Flughafen zu stranden (oder auch nur ein paar Stunden auf den Anschlussflug zu warten), dann macht das lieber nicht auf PMI. Dort ist es oede.
[Und wie seltsam das ist, nach diesen wenigen Tagen wieder eine deutsche Tastatur unter den Fingern zu haben. Die Umlaute kommen fast automatisch als Umschreibungen aus den Fingern, und vor jedem Z oder Y gibt es eine kurze Pause um zu sehen, wo die Taste wirklich sitzt.]
Aus CSI erfahren, dass mein geliebter langer Fingernagel am kleinen Finger als untrügliches Zeichen für Kokser gilt. Aha!? Ich brauche ihn, um winzige Reset-Knöpfe zu drücken (zB der Einschalter an meinem Handy), um kleine Dinge aus kleinen Öffnungen zu holen (nein! Ich meine zB die Zigarettenasche aus den Zwischenräumen meiner Tastatur-Tasten) und manchmal (bei diesen Münzschraubschlitzen) als Ersatzschraubenzieher. Ich mag ihn, um bei Problemen daran rumzuknabbern (nur oberflächlich, ohne dass dann ein Stück fehlt), um in langweiligen Sitzungen damit an meiner Handfläche zu kratzen (und damit sicherzustellen, dass die Zeit vergeht), und manchmal auch (empfindliche Seelen bitte weghören) um damit im Ohr zu bohren.
Vielleicht verrät mir ja jemand, was ich als Kokser damit machen würde?
Wenn die Sendung ohne Namen nicht mehr will, dann will ich den Kübel irgendwie auch nicht mehr.