Andrea Sturm

Unterwegs

Ich hab meine Sachen hier erledigt…

21. September 2011, 22:50 - Unterwegs

Naja, vielleicht nicht alle, und vielleicht nicht ganz, aber das hält mich nicht davon ab, fröhlich mitzusingen jodeln

-gröhlen:

Nun mag sich ja der eine oder die andere wundern, hab ich doch bislang jeden Gedanken an eine Venedig-Reise immer verweigert (“In diesem Leben? Nicht mit mir!”), aber es gibt so Dinge, mit denen kann man mich überall hin locken. Flugzeuge zum Beispiel. Also in Venedig Urlaub machen, würd ich ja wirklich nie, aber das da hat mich gleich überzeugt.

Die Wettervorhersage ist hervorragend, der Koffer ist gepackt. Wenn dieses 3likeHome tatsächlich so tut, wie es soll, bin ich auch durchgehend voll handlungsfähig. Aber gleich neben unserem Quartier liegt ein Internetcafe. (So oder so hat sich einiges getan, seit ich 1999 meine erste Email über Psion/Nokia/Infrarot/TelefonModemRoaming versendet habe.)

Und bis morgen früh werd ich mich jetzt verzweifelt schlaflos im Bett wälzen und mich fragen, was ich vergessen habe einzupacken - denn dass ein Gepäckstück butterweich, ohne Flüche und ohne drauf-Herumhüpfen zugegangen ist, das hab ich bisher wirklich noch nie geschafft.

McGuyvers Kamera

12. August 2009, 19:08 - Fotografisch · Unterwegs

Etwa eine Woche vor dem Finnlandurlaub* war mir aufgefallen, dass wir derzeit gar keine “Nurso”-Kamera haben. Eine neue musste her.

Eine “Nurso”-Kamera ist - im Gegensatz zur “guten” - eine, die man immer dabeihaben kann, zum Beispiel während man über einen schmalen Felsgrat über dem Meer balanciert. Die wichtigste Eigenschaft einer “Nurso”-Kamera ist, dass man sich, wenn man ausrutscht und im Fallen überlegt, ob man jetzt gleich an Schädelbruch sterben oder doch eher ertrinken wird, nicht auch noch Sorgen um die Kamera machen muss - war ja eh nicht die “gute”.

Die Wahl fiel, nach heftigem Tech-Specs-Studium und ebenso heftigen Preisvergleichen, auf die Panasonic Lumix DMC-FT1. Die ist zwar für eine “Nurso”-Kamera eigentlich zu teuer, dafür aber wasserdicht bis 3m Tauchtiefe und stoßfest nach amerikanischem Militärstandard. Das sollte für alle überlebbaren Eventualitäten genügen. Im Grunde hatte ich mich schon in die blaue verguckt, da überzeugte mich der Herr Sufi, dass orange deutlich besser wäre - das Meer ist schließlich auch blau.

Das kleine Ding macht für eine Kompakte erstaunlich klare, rauscharme** Bilder (Ansicht demnächst im Reiseblog), und das “intelligent Auto” Setting ist mir fast zu treffsicher (ich mags nämlich, wenn ich der Technik überlegen bin). Die Leica-Optik tut ihr übriges - von weit (28mm) bis voll Zoom (128mm) klar bis in die Ecken. Positiv aufgefallen ist mir auch die Farbtreue bei mittleren bis schlechten Lichtverhältnissen. Außerdem kann sie HD-Video, aber das hab ich noch nicht richtig ausprobiert.

Sechs gute Tage lang gewöhnten wir uns aneinander, die Kamera und ich. An negativen Eigenschaften fand ich nur 2: Zum einen ist das Objektiv, da flach und nicht sonderlich abgesetzt, sehr anfällig für Fingertapscher (und die Bilder zeigen dann logischerweise Schlieren) (schon am zweiten Tag wurde es zum Automatismus, vor dem Abdrücken schnell mit dem T-Shirt drüberzuwischen); zum anderen behält man sie, sofern andere Personen in der Nähe sind, nie lange in der Hand (“Was ist denn das?” - “Darf ich Mal?”).

Am siebten Tag dann passierte es. Der Sufi und ich nahmen ein Nightcap am Heck des gut vertäuten Sir Francis. Die Hose, in deren Hinterntasche die Kamera steckte, war etwas eng, ich drehte mich, kam an der Reling an, spürte das kostbare Stück entgleiten, griff noch danach, hörte aber stattdessen ein “Klonk” auf der Achterplattform und ein “Platsch” in der darunterliegenden Ostsee.

Autsch.

Nun bin ich ja nicht sonderlich auf Dinge fixiert, aber die Kamera war erstens so gut wie neu, und zweitens hatte die drinnen steckende Karte 6 Tage unwiederbringlicher Urlaubsfotos drauf. Ich überlegte also nur kurz - skandinavische Nachtkälte hin, leichtes Schwipschen her - bevor ich die Kleider abwarf und einen Rettungsversuch startete. Die Ostsee war, besonders unter Wasser, pechschwarz. Des Sufis Taschenlampe war zwar überraschenderweise wasserfest, leuchtete unter Wasser aber nur so circa 5cm weit. Ich tauchte ein paar Mal und konnte dabei immerhin feststellen, dass der Boden weder schlammig noch algig, sondern felsig war - ein Glück - und dass die Tiefe laut Ohrendruck etwa 3m oder knapp darunter betrug. Nach 10 Minuten gab ich fröstelnd auf. Bei Tageslicht würde man weiter sehen.

Halbherzige Tauchversuche nach dem Frühstück blieben ohne Ergebnis. Der Skipper versuchte, mich schonend darauf vorzubereiten, dass die Kamera, auch wenn wir sie fänden, wohl kaum mehr funktionieren würde. Ich war ganz seiner Meinung. Die Wasserdichte war für eine Stunde garantiert, nicht für knapp 12. Mehr Hoffnung hatte ich für die Speicherkarte. Die Bilder der vergangenen Woche. Also, vorausgesetzt, dass kein Kriechstrom…

Wir gingen die Sache strukturierter an. Ein Stein am Meeesgrund, vom Skipper mit einem Seil am Boot vertäut, sollte bei der Orientierung helfen. Der Sufi teilte, ausgehend vom selbigen und unter Berücksichtigung der wahrscheinlichen Fallkurve (ich hatte die Richtung gesehen), die abzusuchende Fläche in Planquadrate ein. Er fing an. 8 oder 10 vergebliche Tauchversuche später war ich dran.

Ein seltsames Gefühl.

Einerseits war ich ganz sicher, dass die Kamera da war, höchstens eine Armlänge vom Stein entfernt. Außerdem hatte ich sie, im Bett, im Traum, genau liegen gesehen - überzeugt, dass ich sie finden würde, wenn es nur ein wenig Licht gäbe, da unten. Und Licht gab es ja jetzt. Andererseits schien das Unternehmen bei Tageslicht eher hoffnungslos. Und Angst hatte sich auch eingeschlichen, seltsam eigentlich. Weder mitten in der Nacht noch bei den vormittäglichen Versuchen hatte ich Bedenken gehabt, nur jetzt… Aber dann, der Herr Sufi hatte sich so tapfer in die Fluten geworfen, da kann ich doch nicht…

Ich tauchte also nach Planquadrat, sah zwar den Boden, aber nur knapp vor mir, 15cm vielleicht. Das mulmige Gefühl wurde stärker. Ich blieb nicht bis zum Ende der Luft, sondern tauchte vorher auf. Wie aufgeben, ohne den Stolz zu verlieren? Mir fiel nichts ein. Ich tauchte wieder, ohne Gedanken an Planquadrate und Fallkurven, einfach am Seil entlang, öffnete unten die Augen, drehte mich einmal um den Stein mit dem Seil.

Da lag die Kamera. Orange glänzend in der Unterwassersonne.

Ein Moment, von dem es logischerweise kein Foto gibt, was ich aber eh nicht brauche, weil das Bild im Kopf bleibt. Nur ein Griff, 10 cm vor meiner Nase. Und verblüfft damit auftauchen.

Sauber abgespült (auch die Ostsee ist salzig) und trockengetupft wollte ich die Kamera erstmal ordentlich durchtrocknen lassen. Das Argument, dass etwa eingedrungenes Wasser auch jetzt noch die Speicherkarte beschädigen könnte, war aber überzeugend. Ich öffnete also das Karten- und Akku-Fach. Die Dichtung machte leise “pffft” und zeigte leichte Wasserspuren innen. Kontakte von Karte und Akku waren aber trocken. 10 Minuten später waren die Bilder aufs Netbook überspielt, ich zufrieden, und die Kamera hing weitertrocknend in der Sonne.

Allen Ungeldudigen zum Trotz ließ ich noch ein paar Stunden Wind durch die offenen Karten- und Anschluss-Fächer streichen, bevor ich bereit war, einen Funktionstest zu versuchen. Der Skipper war sicher, dass dieses Gerät nie wieder “Klick” machen würde, der Herr Sufi hielt mutig dagegen. Die Skipperin enthielt sich der Stimme. Ich glaubte auch nicht an das Wunder, wettete aber nicht mit. Gegen Abend schließlich setzte ich Akku und Karte wieder ein und drückte den Power-Knopf.

Und, was soll man sagen? Ein fröhliches “Blilip” verkündete grundsätzliche Aufnahmebereitschaft. Ausführliche Tests ergaben, dass sämtliche Funktionen funktionierten. Auch der Rest des Urlaubs wurde nicht nur von der “guten”, sondern auch von der “Nurso”-Kamera festgehalten.

Wow.

Vor dem nächsten Wassereinsatz werde ich aber vorsichtshalber die Dichtungen überprüfen lassen.

* Sortieren und Bearbeiten der Bilder dauert noch ein bisschen, ebenso wie die genauen Fahrtwege… sorry, Herr Sufi!
** Zum Verkauf bei Agenturen reichts zwar ohne Bearbeitung nicht ganz, das kann man in der Klasse aber auch nicht erwarten.

2 x mitgeredet

Segeln gewesen

10. August 2009, 22:56 - Fotografisch · Unterwegs




Sir Francis

Schöne Segelwoche verbracht, ein paar hundert Bilder folgen noch…

Zugsplitter

13. Mai 2009, 22:15 - Unterwegs

Statt Innsbruck: dornbirn. Blick auf die Kulturhauptstadt Versuch über die flüchtigkeit

Der Polizist am Innsbrucker Bahnhof, allein im Regen, am Bahnsteig, auf dem der Zug von Brenner ankommt. Brennero. Das Gefühl beim Lesen: “Brennero”. Lang auf diese Zigarette gewartet, 6 Stunden fast. Glücksgefühl. Es beginnt zu regnen, leicht nur, aber aus sehr dunklen Wolken. Ich steige wieder ein.

Einer im Abteil schreibt, programmiert auf seinem Laptop, manisch fast. Ich tippe auch. Fast wie eine Bürogemeinschaft auf Zeit.

Die Berge draußen, voller Schnee. Später Nebel, es wird dunkel lange bevor es dunkel wird.

Tirol durch dreckige Fensterscheiben

Dann Musik im Ohr und eine Hand mit sehr roten Fingernägeln auf dem Oberschenkel gegenüber. Und die Musik. Und der Regen. Und.

Die Stimme mit den roten Fingernägeln bedauert die Goldfische im Teich. Bei so großen Regentropfen müssten die ja Kopfschmerzen kriegen. Dann wird die Stimme leiser und erzählt von Kindern, verletzten. Ich dreh die Musik lauter in meinem Ohr. Jetzt nicht. Nicht jetzt.

Mehr Nebel. Es regnet sich ein. Nach Ötztal wieder ein Fensterplatz. Gut jetzt. Gut so.

In St. Anton Schneefelder bis fast ins Dorf, in Langen keine mehr. Dann ein Gulasch. Der Speisewagenkellner wagt tatsächlich zu fragen, wie’s geschmeckt hat. Auf mein “Naja” wiegt er bekümmert den Kopf “alles aus der Großküche…” -

Die Landschaft draußen: Groß, selbst im Schlechtwetter-Dämmer. Herunten alles sehr grün, dadrüber die Berge. “Schön” weiß ich nicht. Groß.

Gegend

Aus welchem Tunnel man auch kommt, man schaut hinunter oder hinauf zu einem Kapellchen. Drumrum das Grün. Drüber die Berge. Die sind übrigens: Groß.

Eben “oh ist das schön” gesagt, angesichts eines Wasserfalls. Das sieht mir gar nicht ähnlich. Foto durch hinterhältigen Tunnel vereitelt. Innerbranz, sagt mein iPhone, aber angesichts der Verbindungsschwierigkeiten hier könnte es auch daneben liegen.

Danach jetzt rollt der Zug im Unter-Schrittempo. Richtung Westen ein Hauch von Licht. Zwischen mir und dem Licht ein Bach. Hier müsste man… ja, was?

Kühle kriecht durch die Klimaanlage herein. Zum Aussteigen die Jacke bereithalten, die mittags noch völlig deplatziert schien. Wieder an Innsbruck denken. An die Zigarette, die Zufriedenheit.

Man könnte ja auch in Bludenz aussteigen. Zum Rauchen, zuerst, aber dann… etwas ganz anderes machen. Für immer. Oder zumindest morgen. Und übermorgen.

Stattdessen Dornbirn. Das Hotel ist OK. (Der Sufi wär andrer Meinung). Beim Griechen daneben darf man rauchen. Also trinke ich ein Glas Wein und viele Gläser Wasser und rauche. Und schreibe. Die Musik wird besser, seit ich die letzte Gästin bin. Um 11 macht er zu. Das passt genau.

2 x mitgeredet

Und heimwärts…

22. April 2009, 16:10 - Unterwegs

Und heimwärts…

Es kostet schon einiges an Selbstbeherrschung, nicht in den Zug am Bahnsteig gegenüber einzusteigen. In den, der nach Süden fährt. Mit ein, zwei mal umsteigen vielleicht sogar ans Meer.

Auch hier könnte man gut bleiben. Das strahlende Frühlingsgrün, die blühenden Obstbäume. Ein weiß-rosa Rauschen im grünenden Überschwang. Einfach hinsetzen und beim Erblühen und Verblühen zuschauen. Still.

Im Zug ist trotzdem gut rollen. Selbst lästigste Korrespondenz fühlt sich nach Freizeitvergnügen an, wenn sie draußen sonnige Landschaft vorbeirollen, grüne Wiesen, auf denen meditierende Kühe stehen oder Schafe, die nicht Mal aufschauen, wenn der Stahlwurm vorbei zieht.

Über den Semmering jetzt, eigentlich wollte ich mir da oben zumindest die Zeit zwischen zwei Zügen stehlen, 1 Stunde 50 Minuten hätte ich dem Arbeitstag noch abgeknipst, einen kleinen Spaziergang, ein paar Fotos, ein Kaffee im Cafe. Zu schade, dass der Zug da oben nicht mehr stehen bleibt. Also dieser. Andere schon noch. Aber der hier eben nicht, und so bleibt mir nur, aus dem Fenster zu blinzeln und die Momentaufnahmen innen abzuspeichern, fotografieren ist auch nicht wirklich verlockend, die könnten ihre Zugscheiben echt ab und zu einmal waschen.

Jetzt sieht man schon ins Tal hinunter, weit. Wunderbar klare Luft. Wo ist nur mein Flieger? Bin viel zu erdig in letzter Zeit, das macht träge. Und unzufrieden. Mehr Luft! Und dann…

Das Davor und das Danach ohne das Dazwischen

22. Dezember 2008, 22:30 - Unterwegs

Der Zugsog

Der Bahnhof von München erinnert mich an den Flughafen von Paris - egal, wo man hinwill, man ist immer am falschen Ende des Riesendings. Im übrigen habe ich auch noch nie einen Bahnhof gesehen, an dem es so viele verschiedene Dinge zu essen gibt. Außerdem soll man nie die Kraft der Vorurteile unterschätzen, obwohl, so oft wie ich heute von dem bayrischen Taxler “Jo leckts mi doch am Oasch” gehört habe, war der vielleicht vom Fremdenverkehrsverein bestellt. Samt dem Stau, der die Flüche hervorbrachte.

Die Zugdurchsagen (und ich hab heut reichlich davon gehört) häufig in breitem oder leicht verhohlenem Ostdeutsch. Statistisch natürlich irrelevant, ruft aber irgendwie nach einer dahinterstehenden Geschichte. Auch die Dialekte ringsum durchaus bunt durchgemischt; Bayern kräftig aber nicht unbedingt in der Überzahl.

Bei der Einfahrt nach München noch überlegt, eine Stunde Stadtbummel in Betracht zu ziehen. Aber es regnet. Es ist kalt. Ich bin müde. Woraufhin natürlich, um mein gern gesungenes Loblied auf die Bahn zu untergraben, der Regionalzug nach Salzburg erstmal 20 Minuten Verspätung hat. Von Polizeieinsatz und Selbstmördern reden die Fahrgäste, von geänderter Streckenführung die Offiziellen. Hm. Und dieses Löwenbräu ist übrigens ein ziemlich grausliches Zeugs. Erinnert mich, falls ichs vergessen sollte.

Zugdynamik selbst ist auch etwas eigenes. Fernzugreisende sind leichtem Geplauder gegenüber aufgeschlossen, wenn es nicht zu dicht wird, und kommt nach den ersten 150 Kilometern ein neuer dazu, ist er erstmal ebendas - der Neue. In Regionalzügen dagegen kennt man sich entweder, oder man kennt sich nicht. Fremde anzureden, ist nicht eingeplant, sogar Augenkontakt wirkt schon dreist.

Bayern scheint sich in Sachen Wirtschaftskrise nicht so ganz einig zu sein. In München Kräne, die bauen, als gäbe es kein Morgen. Am Land schauts streckenweise eher schäbig aus, ein paar Kilometer weiter stampfen sie ganze Siedlungen aus dem Boden. Hm.

Alle Züge außer der bayrischen Regionalbahn heute irgendwie indisponiert, Verspätungen, nach der Reihe, so kenn ich sie gar nicht, meine Bahn. Jede Durchsage bringt rund um mich hektisches Mobiltelefonieren in Gang, “du, ich komm 5 Minuten später” - “Du, ich komm noch 5 Minuten später!” aus der Teenie-Riege, während Omis erst hektisch die papierenen Zugbegleiter wälzen und dann leiser Verzweiflung verfallen. Warum auch immer, möglicherweise hungert zu Hause der Dackel. Trotzdem alle meine Anschlüsse gekriegt, nicht zuletzt wegen hektisch telefonierender Schaffnerin (wie heißen die eigentlich heute politisch korrekt?), “Lassense ma denn 12:51er nicht fahren, ich hab da noch 5 Loit für den.” Danke, das wär sonst irgendwie stressig geworden. Andere Schaffner zucken da nur mit den Schultern, auch schon erlebt.

Salzburg-Wien zahrt sich jetzt doch auch ziemlich, weil der Zug immer wieder Mal irgendwo mitten in der Pampa stehen bleibt. Jetzt kurz vor Attnang Puchheim. Da hab ich in der Früh Cappuccino getrunken. Also, während dem Durchfahren, ausgestiegen bin ich nicht. Wär auch irgendwie ungesund gewesen, bei der Geschwindigkeit.

Jedenfalls, von der Stimmung her, sehr zufrieden mit dem Moment mit Cappuccino und dem zugehörigen Butterkipferl, noch warm, die Wasser-Geschichte korrigierend, redigierend. Mir vorgestellt, bei einfachen Textarbeiten immer Mal wieder quer durch Österreich zu rollen, einfach so. Ohne Grund. Weil alles irgendwie leichter von der Hand geht,wenn sie draußen die Lanndschaft vorbeiziehen.

...weiterlesen

Kurzes langes Wochenende

18. August 2008, 22:24 - Aviation · Fotografisch · Unterwegs · Fliegerei

Samstag
Die unendliche Gleichzeitigkeit der Welt, die Mondfinsternis da oben und der Jet, der irgendwo darunter aus einem mir unersichtlichen Grund plötzlich ein bisschen abbremst; der Hauch von Sound vom Bukowski-Konzert, der tatsächlich bis hier rüber auf den Balkon hochweht, drinnen hinterm Fensterglas die Bundesliga, die deutsche, und davor der Sufi mit einem Glas Wein. Der Balkon vertraut von damals; das Lokal mit dem guten Zwiebelrostbraten gleich ums Eck aber hat geschlossen, die Wirtin ist in Pension gegangen, naja, will ja jeder irgendwann. Schade um den Zwiebelrostbraten.

Der Hund hier am Hof hat gewechselt, ein junger Schnauzermischling jetzt, verspielt. Beinahe hätten wir nicht hergefunden, nur ein diffuses Bild im Kopf, Bauernhof, Hund und ein grünes Tor. Freundliche Passanten weisen den Weg, “Ah, den Rosner meinen’s”, so winkt am Ende eines kalten Tages doch ein warmes Bett in einer schönen Ferienwohnung, nur zufällig frei, weil die angesagten Gäste abgesagt haben, ein Glück auch noch. Keine Grillen heute, zu kalt wohl, keine Sternschnuppen trotz August, aber eben diese Mondfinsternis.

Rewind
Und vorher ein Flugplatzfest mit wenig Fliegerei, zu tief die Wolken und zu nass. Kalt ist es, zwei Pullover und Jacke und immer noch frösteln, “Nächstes Mal”, sage ich zum Sufi, “Nächstes Mal wenn wir im August wegfahren, erinner mich, dass ich die Wollsocken einpack!” - Trotzdem irgendwie fein alles, alte Bekannte und neue Gesichter, Fachsimpeleien und Geschichten und Geschichterln, so g’hört sich das; derweil kämpfen die Modellflieger mit Props & Rotoren gegen Wind und Nässe. Die Hagelflieger-Cessnas dagegen, die sind ganz in ihrem Element. Und trotz des stark gekürzten Programms (die Flying Bulls zB hängen in Brünn fest) kommt man kaum dazu, die Propeller-Torte zu genießen; eine Notfallübung, ein Bundesheer-Hubschrauber, der sichtlich ziemlich viel Spass hat, und dann, als keiner mehr mit irgendetwas rechnet, kommt eine völlig unerwartete Extra im Messerflug (Messerflug nicht im Bild) vorbei und einmal rum und dann zur Landung.

P1090348_fli P1090228_fli P1090437_fli
P1090214_fli P1090209_fli P1090170_fli
P1090398_fli P1090373_fli

Alles ein bisschen heimelig und doch ganz anders, der Platz, auf dem wir jahrelang unser Wochenendheim hatten, immer noch (wieder?) sehr sympathisch.

Dann beinah ungezielt hoffnungsfroh nach Droß, vorbei am Stratzinger Weinfest, aber der ungezielt angesteuerte Vorspannhof hat schon Spätsommerpause. Dann halt “auf dem Landweg” quer durch bis Langenlois, dort alle Gehsteige hochgeklappt, sicher nur wegen des Wetters, aber trotzdem leicht trist. Was haben wir gefroren am Flugplatz, erzählen wir einander nochmals. “Ich hab aber auch schon Schnee gesehen, im August”, toppt der Sufi den heutigen Tag, aber das war in Südtirol und gilt daher nicht, wie ich finde. Sonst müsste der steirische Reinischkogel-Augustschnee aus meiner Kindheit auch gelten. Wir lassen den “im August frieren”-Wettbewerb sein und halten stattdessen Ausschau nach wetterunabhängigen Alternativen.

Überall hängen Plakate, auf denen steht, dass auf Schloss Haindorf heute Boris Bukowski spielt. “Lass uns hinfahren!” sage ich halb im Scherz und halb in einem von zwei flugplätzlichen Mittagsachterln gespeisten Nostalgieanfall; “OK”, sagt der Sufi. Wir finden also Schloss Haindorf und suchen nach Informationen über Zimmer und Konzert, kriegen aber stattdessen erstmal einen Platten. Die veranstaltungsverkehrsleitende Feuerwehr versammelt sich fachsimpelnd um den Reifen, wir warten im Tonschauer des Soundchecks trotzdem lieber auf den ÖAMTC. Der kommt erstaunlich schnell, in Langenlois. Das zwischenzeitlich inspizierte Schloss-Zimmer (es ist nur noch eins frei) konveniert nicht, daher doch weiter nach Straß, wo wir das Restaurant nicht mehr, unser Lieblingsquartier aber schließlich doch noch finden - aber das steht ja schon am Anfang.

P1090461_fli P1090467_fli P1090470_fli

Eine kurze und erfolgreiche Zimmerverhandlung später sage ich zum Sufi “Wir müssen nicht zu dem Konzert, wenn’s dich nicht interessiert” (vielleicht will ich’s ja am ehesten von mir selber abwenden); “Aber ich freu mich doch, wenn du dich freust!” sagt der Sufi. “Ich freu mich aber auch total, wenn du dich freust”, kontere ich, “wir können also stattdessen gerne ein paar Weinkeller abklappern.” Während wir in Kammern bei “Joe & Ilse Müllner” einen Hauerteller mit zugehörigem Veltliner und Welschriesling vernichten (Der Welschriesling!!! - aber der ist leider schon beinahe aus), gewinnt die Diskussion noch ein paar zusätzliche Metaebenen, und schließlich landen wir doch beim Schloss. Die Mädels an der Kassa haben längst aufgegeben, und im veranstaltungszugehörigen “Winzerdorf” haben 8 von 10 Buden zu. Es ist aber auch wirklich saukalt. Und könnte jederzeit wieder regnen.

Ich besorg mir ein Bier, der Sufi versucht den einzig erhältlichen Veltliner. “Wollt’s nicht reingehen?” (in die Freiluft-Konzert-Arena) lockt der Manager höchstpersönlich, und das tun wir dann auch. Ganz Bühnenprofi, verliert der Boris auch angesichts des lächerlich versprengten Häufchens feuchtfrierender Zuschauer weder Lust noch Stimme und schafft es sogar, die anfangs eher lustlose Band zu Stadion-Leistungen zu animieren. Sehr feines Setting übrigens, die Bühne vor dem Schloss. Das Publikum bemüht sich zwischen den Songs genau so sehr wie die Musiker währenddessen, und das ist alles in allem mehr als man an so einem Tag erwarten konnte. Wobei mir die alten Songs lieber sind als die neuen, aber ich ich bin nicht sicher, ob das nicht ausschließlich an mir liegt. Und die neuen Psychedelic-Anklänge sind irgendwie auch ganz interessant. Und vor allem genieße ich, nach viel zu langer Zeit endlich wieder Mal volle Rock-Lautstärke in die Ohren geblasen zu bekommen. Kleine Soundunsicherheiten schreiben wir wohlwollend dem Wetter zu.

P1090482_fli P1090499_fli P1090498_fli P1090500_fli

Zur Pause flüchten wir dann trotzdem. Die Aussicht auf 1/2 Stunde jovial-peinlichen Arabella-DJ ist mir mehr als zuviel, und der arme Sufi friert ganz fürchterlich. Da es, gleich angezogen und gefüttert, deutliche Unterschiede zwischen unserem Frierverhalten gibt (ich habe am Flugplatz deutlich mehr gefroren, er dagegen am Konzert) entwickle ich die Theorie, dass ich die ungewöhnliche Fähigkeit habe, Schallwellen direkt in Wärme umzusetzen. Der Sufi wiegt zweifelnd den Kopf.

Und dann, die Tankstelle hat schon zu, zwischen Kammern und Straß, blinzle ich so aus dem Autofenster, “wie schaut denn der Mond aus?” - der Sufi: “Wie denn?” - Ich: “Na so… halb irgendwie… eh!, das ist eine Mondfinsternis!” - Der Sufi, gelangweilt: “Ja, haben sie eh im Radio gesagt.” Na dann. Kann man sie ja vom Balkon aus auch noch schnell laienhaft fotografieren. Und nebenbei ein paar Langzeitbelichtungen machen.

P1090515_fli P1090509_fli P1090514_fli

Sonntag
Manchmal mag ich meine morgendliche Anlaufzeit ja selber nicht so gern - zum Beispiel dann, wenn der Sufi das Frühstück aufs Zimmer holen geht. Ich mein, es ist ja unglaublich perfekt, einen Sufi zu haben, der das Frühstück aufs Zimmer holt, aber noch besser wäre so ein Frühstück, wenn ich rechtzeitig fähig wäre, zu artikulieren, dass mir eigentlich nach Joghurt und Ei ist, nicht nach Semmerl und Wurst und Marmelade. Da kann natürlich der Sufi gar nichts dafür, und der Kaffee schmeckt am Balkon definitiv besser als im Keller-Frühstücksraum. Am Nachbar-Balkon zeigt sich die Oma des Hauses, und so erfahren wir zwischen zwei Tassen Kaffee ganz nebenbei alles, was wir in den letzten 7 Jahren hier verpasst haben. Derweil gluckern unten die Hühner und weit drüben in der Wiese stolzieren Fasane und/oder Raben, das ist nicht ganz klar, und ab und zu läuten irgendwo leise Kirchenglocken, und wie schon beim letzten Mal schlage ich vor, hier doch ein paar Monate zu bleiben, so bis zum Wintereinbruch, und wie schon beim letzten Mal neigt der Sufi vernünftig verneinend den Kopf.

P1090516_fli P1090530_fli P1090524_fli

Es ist wieder sonnig heute und halbwegs warm, halbwegs: so irgendwo zwischen kurz- und langarm, schon ein bisschen seltsam für Mitte August. Wir haben nur einen Fixpunkt an diesem Sonntag, und der eilt nicht, deshalb rollen wir erstmal durchs Kamptal und dessen Nebentäler, niederösterreichische Fotosafari, Modellflugplatz inbegriffen. Dann ein Abstecher nach Mollands, dort hat der Weinbauer, bei dessen Eltern des Sufis Vater schon vor vielen Jahrezehnten…, naja, irgendwo steht diese Geschichte schon, der Weinbauer jedenfalls hat eine Weinbeisserei aufgemacht, ein wunderbar luftiges Architektur-Ding mit Blick über den schönsten Teil des Kamptals. Wir freuen uns über Gegenwart und Vergangenheiten, und die Mücken üben sich in Extreme-Wineglass-Diving. Mir macht ein fruchtig-spritziger Welschriesling namens “Hias” den Mittag sonnig, während der Sufi sich vernünftig kleinschluckweise durch die Veltliner ackert.

P1090574_fli P1090586_fliP1090548_fli

Ungewöhnlich frühnachmittagsbeschwipstschwingt drehe ich eine kleine Weinberg-Fotorunde, während der Sufi Familiengeschichte(n) aufarbeitet. Dann weiter kamptalaufwärts und irgendwann rechts ab im Zickzack Richtung Großwetzdorf, nur eben immer haarscharf an allen Hauptstraßen vorbei. So kann ich mich entspannen und angesichts der abgeernteten Felder an den Gedanken gewöhnen, dass es doch schon wieder irgendwie Herbst wird. Obwohl ich keine Ahnung hab, wo der Sommer geblieben ist.

P1090603_fli  P1090604_fli P1090595_fli

In Großwetzdorf packt der Sufi ein paar Weinflaschen ein, das der Fixpunkt; danach südwärts, heimwärts. Fast.

Denn so vorbei an Stockerau bietet es sich doch an, noch den dortigen Flugplatz anzusteuern und ein paar Cessnas und ein paar Katanas starten und landen zu sehen, bei jetzt lauem Wetter und leichtem und immer noch abflauendem Wind. Dann noch ein Hubschrauber, den ich gerne mitheimnehmen würd’. Und anderes fliegendes Ge-Zeugs.

P1090618_fli P1090627_fli P1090617_fli

Und zum Schluss, farbenfroh, ein Sonntagabendessen auf der beinahe verlassenen Summerstage, mit vorherigem Graffitispaziergang.

P1090646_fli  P1090651_fli P1090636_fli

Schön wars.

Salzburg, sehenswürdig (ohne -keiten)

19. Juli 2008, 22:43 - Fotografisch · Unterwegs

Lichtspiele

Frisch!

Wetter, unentschlossen

Berlin & ILA 2008, absichtslos dahingeplaudert (Bilder folgen)

01. Juni 2008, 22:47 - Geschreibsel · Unterwegs · 2008 Berlin

Diesmal nähern wir uns Berlin aus der Luft. Das sorgt für Irritation beim Sufi, der es gewohnt ist, im Auto einen ganzen Haushalt mitzuführen, was ja im Flieger und zu Fuß nicht so leicht machbar ist, aber wenn es so ist, dann ist es eben so.

Das mit dem Flug und den dazugehörigen -zeugen ist so eine Sache. Zwar bin ich ein großer Fan derselbigen, aber Airliner fallen da nicht so recht in meine Wunschkiste. Man steigt ein, sitzt unbequem, sieht weder raus noch ins Cockpit, dann brummt und rauscht es ein bisschen und manchmal schüttelt es, und schon ist man woanders. “Fliegen” ist das nicht, “Reisen” schon gar nicht; es ist “mal schnell wohin”. Leider muss man halt ab und an “mal schnell wohin”, was übrigens im Flieger auch jedesmal ein Problem ist. Der Mensch am Gang neben mir ist immer entweder 3 Zentner schwer, oder versinkt sofort nach dem Start in unerweckbaren Tiefschlaf, oder ist eine Mutter mit Baby, das nach einer Stunde Gebrüll endlich eingeschlafen ist, und da will man ja auch keine Audio-Verlängerung riskieren. Wenn ich aus so einer Blechröhre komme, eile ich also meist im Laufschritt “wohin”. Aber ich schweife ab, vor allem, weil es diesmal gar nicht so war, sondern viel besser.

Unsere Gang-Sitz-Ankunft in TXL wurde nicht nur von wunderbar dramatischem Licht begleitet, sondern auch von 11 Hubschraubern. Toller Anblick im Abendlicht, aber natürlich kann man im Landeanflug nicht mal einfach so die Kamera rausholen, wenn sie denn dummerweise im Überkopf-Fach steckt. Air Berlin übrigens serviert “Sandwiches”, die bagelförmig und staubtrocken sind. Da nützt das ganze freundliche Lächeln der Flugbegleiterinnen nichts, nächstes Mal wieder Flyniki, bitte.

Berlin begrüßt uns unerwartet mit einer auf Fragen grantelnd schweigenden Busfahrerin. Da fühlt sich der Wiener doch gleich so richtig zu Hause. Wir finden trotzdem die richtige U-Bahn-Station. Jetzt nur noch die gefühlten 117 Stationen der U7 bis zum Hotel. Der Tag war lang.

Die U-Bahn gleich wieder berlinerisch gesprächiger bis freundlich. Am Ende derselben schlagen wir wortlos und unabhängig voneinander die richtige Richtung ein. Das Orientieren am Plan entfällt, man hat’s ja schon auf Google Earth gesehen. Praktisch und doch ein bisschen wehmütig für Kartennavigationsbegeisterte wie mich.

Das Hotel wirkt recht neu und doch ein bisschen abgebröckelt, der Mops der redefreudigen Hausherrin heißt Coco. Coco Chanel. Sie sagt das ein bisschen so wie in “Bond. James Bond”. Während der Sufi gleich in eine Konversation über Wien, Berlin und die slawische Seele versinkt, findet Coco Chanel gefallen an meinem Hosenbein, kaut darauf herum und schüttelt es. Es kostet etwas Selbstbeherrschung, im Gegenzug nicht das Bein mit dem Hund zu schütteln, aber man will ja nicht schon am ersten Tag die Hotelchefin verätzen. Der Sufi, dem der kreative Mopsname vorerst entgangen ist, wird den knurrenden Fellknäuel erst am nächsten Tag umtaufen: Bei uns heißt er jetzt “Coq au Vin”.

Das Zimmer ist erobert, jetzt Hunger: Der moderne Mensch findet auch in der südberliner Pampa sofort ein brauchbares Restaurant - wozu gibts Qype... Die Casa Montella hat gutes Essen, guten Rotwein, und warm genug zum draußen sitzen ist es auch.

Und was uns bleibt am Ende eines langen Tages ... es bleibt es bleibt es bleibt - uns der Wind

Der Wind nämlich, der am Zwickauer Damm den Ankommenden immer kalt und unfreundlich ins Gesicht bläst, die ganze schmale Rolltreppe entlang, egal wie warm und angenehm der Tag war. Rudow ist ja ein bisschen am Ende der Welt, sowohl vom Zentrum als auch von anderswo betrachtet. Wo immer man sich rumtreibt, es endet mit einer langen Fahrt mit der U7. Und die U7 ist verdammt lang, sogar, wenn man nur die paar letzten Stationen mitfährt. Und im U-Bahn-Fernsehen wiederholt sich viel.

...weiterlesen
1 x mitgeredet

Groß!

26. Mai 2008, 15:43 - Unterwegs · 2008 Berlin ILA · Vom Phone gebloggt

A-380