Andrea Sturm

TechLife

Die Welt ist nicht 1|0

09. Mai 2011, 21:04 - TechLife · Salzamt

Und zunehmend nervt mich dieses Gerede von Killer-Apps, Killer-Gadgets und Killer-Wasauchimmers. Kein Tag vergeht, in dem nicht irgendein Dienst, eine Software, ein Gerät oder eine Idee gekillt wird - die meisten davon müssen locker 999 Leben haben, so oft hat man sie schon um die Ecke gebracht. Wer baut den echten iPhone-Killer? Wird Facebook Google killen? Und wie oft wurde RSS mittlerweile gekillt?

Ich ja nicht einmal auf die Gewaltphantasie hinaus, die in dieser ganzen Mordgeschichten steckt - Abstraktion ist dem Menschen durchaus zumutbar. Aber die Welt ist nicht Highlander, und daher gibt es auch hier und jetzt von fast allem mehr als eins. Und wenn der nächste halb-hirntote Schreiber-Zombie wieder einmal schriftstellerisch eine Technologie killen will, dann wünsche ich ihm eine gute Fee, die ihm sanft aber unwiderstehlich die Wahrheit beibringt. Ist doch ganz einfach: Sogar Apple, Microsoft und IBM sind durchaus noch am Leben. Alle 3.

Take that, Killer-Journalists.

Kaspersky will kein Geld verdienen

20. Juli 2010, 13:29 - TechLife · Salzamt

Meine Lizenz nähere sich dem Ablaufdatum, meldete mir das Sicherheitspaket meines momentanen Vertrauens heute morgen freundlich. Ob ich nicht vielleicht verlängern möchte? Daneben ein Link. Ich mochte, klickte und gelangte zu einer Webseite. Dort wurde mir bedauernd erklärt, dass ich wohl die Lizenznummer falsch eingegeben hätte. Ich möge es doch noch einmal versuchen und ansonsten den Kundenservice kontaktieren (mailto-Link).

Ich hatte aber gar keine Lizenznummer eingegeben - die hatte das Programm offenbar mitgeschickt. Für mich soweit OK - abgesehen davon, dass der Shop sie nicht akzeptierte. Ich versuchte es also nochmals, mit dem erwartbar gleichen Resultat, und klickte dann den Mailto-Link. Schilderte freundlich mein Vorhaben und das Problem und drückte auf “senden”.

Eine halbe Minute später hatte ich eine automatische Antwort im Postfach - mit dem Betreff: “Ihre Anfrage wurde zurückgewiesen”. Darin wurde ich darüber informiert, dass meine Anfrage über keine gültige “Anfragenummer” verfügt, und dass ich doch das Anfrageformular benutzen möge, um mein Anliegen vorzutragen und eine Anfragenummer zu erhalten. In meinem Hinterkopf begann leise Reinhard Mey zu singen.

Dennoch folgte ich dem angebotenen neuen Link und füllte brav das Formular aus. Mit Ausnahme der Schuhnummer wurde dort so ziemlich alles abgefragt, was für eine Lizenzverlängerung völlig irrelevant und überflüssig ist. Ich füllte und drückte auf “senden”. Umgehend erhielt ich eine automatische Antwort, die mir mitteilte, dass sich in Kürze ein Mitarbeiter um mein Anliegen kümmern würde, und dass ich eine Ticket-ID erhalten hätte - und wie diese lautete. Dass es kein guter Stil ist, das Wording für einen Vorgang innerhalb des Vorgangs zu ändern (Tickert ID vs Anfragenummer, vorausgesetzt, das ist dasselbe) war mir zu dem Zeitpunkt schon relativ egal. Hauptsache Nummer.

Überrascht war ich, als kaum eine Stunde später bereits eine Antwort von einem echten menschlichen Wesen im Posteingang ankam. Vorbildliche Reaktionszeit, das muss man schon sagen. Leider war der Inhalt weniger erfreulich. Ich möge mich doch bitte an die Telefon-Hotline des Shops wenden, wahlweise auch an eine andere Email Adresse. Warum das Online-Formular, das unter den vielfältigen Auswahlmöglichkeiten in der Zeile “Problemart” auch die Antwort “Lizenzverlängerung” enthält, nicht an die richtige Adresse für Probleme mit der Lizenzverlängerung geht, wurde nicht verraten.

An diesem Punkt begann ich, Alternativen in Betracht zu ziehen. Es gibt günstigere Sicherheitspakete, es gibt besser bewertete, und laut Chip sind einige sogar besser bewertet und günstiger. Aber noch einmal siegte die Bequemlichkeit. Eine gut verankerte Security Suite deinstallieren und durch eine neue ersetzen? Brr, überflüssige Arbeit.

Ich griff also zum Telefonhörer und wählte die immerhin kostenlose Nummer aus der Mail. Ein akustisches Auswahlmenü begrüßte mich freundlich.  Eine Option “was ist an meiner Lizenz, die ich als Vollversion direkt im Kaspersky-Webshop gekauft habe, so seltsam, dass es einen ganzen Vormittag dauert, sie zu verlängern?” gab es nicht, also wählte ich Punkt 2 mit einem elendslangen Text, in dem irgendwo auch die Worte “Brauchen Sie Hilfe zu einem Kauf in unserem Onlineshop” vorkamen. Die Frauenstimme aus der Konserve erklärte mir enthusistisch, ich möge in der Leitung bleiben, das System würde mich mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbinden.

Stattdessen hörte ich . . . nichts. Kein Ruf-Zeichen, keine Stimme, keine Musik. Nur ein leises Rauschen, das die völlige Abwesenheit jeglicher anderer Geräusche noch betonte. Ich blieb mehrere Minuten in der Leitung, voller Bewunderung über diese unerwartete Übung im Telefon-Zen, doch irgendwann wurde es langweilig. Ich legte auf und versuchte es nach einer Weile nochmals. Diesmal folgte der Konservenstimme sogar ein Ruf-Ton. Nur leider war es das Besetzt-Zeichen. Aus der Leitung geflogen, ganz ohne fernöstliche Philosophie.

Ich überlegte kurz, die empfohlene Email auch noch zu versuchen. Mit einer Lösung rechnete ich nicht mehr, es war mehr die Neugierde, ob es vielleicht doch irgendwo eine Lücke in diesem perfekten Kunden-Abwehrsystem gibt. Ich ließ es dann aber bleiben. Denn wenn schon eine simple Lizenzverlängerung zu einer solchen Odyssee ausartet, was würde dann erst bei einem richtigen Problem passieren?

Byebye Kasperski, hallo Norton. Oder F-Secure. Oder… ach, es gibt so viele davon.

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Gemeinsames Software-Marketing

18. Januar 2010, 00:34 - TechLife

Was mich bei der (im übrigen schmerzlosen) Neuinstallation meines Systems diesmal von Programm zu Programm immer grantiger machte, waren die unerwünschten Software-Gimmicks, die mehr oder weniger versteckt im Installationsprogramm mitkommen. Waren es früher eher windige und halbseidene Hersteller, die sowas versuchten, ist es offenbar mittlerweile ganz normal und salonfähig geworden.

Du willst den Adobe-Reader? Gern, und nimm doch gleich den McAfee Scanner dazu! Du brauchst ein FTP-Programm? Kein Problem, wir schenken dir den Norton gleich mit! Du willst eine Bilderverwaltungssoftware installieren, für die Du tatsächlich Geld bezahlt hast? Natürlich, und den Yahoo-Toolbar kannst Du auch haben!

Ich frage mich, wie alt mein frisches System schon wieder aussehen würde, hätte ich nicht alle Zusatz-Installer weggeklickt. Ich weiß ja nicht, ob es noch so schlimm ist wie früher, als zwei nebeneinander installierte Virenscanner ein System komplett schrotten konnten, aber schön ist es sicherlich nicht. Ich habe auch einen kleinen Hauch Verständnis dafür, dass sich Gratis-Software von unabhängigen Herstellern irgendwie finanzieren will. Aber bezahlte Programme? Oder etwas wie der Adobe-Reader, der ja in seiner Allgegenwart reichlich zur Adobe-Vorherrschaft im Bildverarbeitungs- und Druckbereich beiträgt? Das muss doch echt nicht sein.

Programmierte Gänsehaut

24. April 2009, 22:17 - TechLife

Mal so drüber nachgedacht, was sich kommende Generationen denken könnten, wenn sie zufällig mein Standard-Schnell-Profil irgendwo im Netz lesen, 150 Jahre, nachdem ich irgendwann an irgendwas gestorben sein werde - das lautet nämlich:

Born in ‘66 and alive ever since.

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Ein Leben ist nicht genug!

31. Januar 2009, 02:07 - TechLife · Spielerei

...und das gilt auf allen denkbaren Ebenen, obwohl dieser Beitrag sich ganz auf Secondlife beschränkt. Als ich nämlich heute Abend so auf der Suche war nach irgendwas, mit dem ich einen Abend völlig sinnlos verschludern freizeittechnisch wertvoll verbringen konnte (das hatte ich mir verdient!), fiel mir diese Einladung ein - und ich surfte schnell los und installierte wieder mal Secondlife.

Das erste, was mir gegenüber dem letzten Mal auffiel, war, dass eine halbwegs aktuelle Hardware doch etwas für sich hat - diesmal musste ich nicht Pixel für Pixel beobachten, wie sich Dinge aufbauen, es ging beinah in Echtzeit. Trotzdem sah ich seltsame Dinge…

Die zwei Jungs da, die verbeugen sich nämlich nicht vor dem Waschbären auf meiner Schulter, die standen einfach minutenlang so da. Zombies? Verlassene Zweitkörper?  Wer weiß... ich spazierte weiter und stellte dann plötzlich fest, dass ich schwarz war. Also, nicht schmutzig. Sondern so richtig pixel-tief schwarz.

Meinen schnuckeligen Waschbären hat das nicht gestört - sowas hätt ich in echt auch gern. Aber das nur am Rande. Ich fühlte mich etwas allein, weil dort, wo ich gelandet war, nach wie vor nur die zwei beharrlich verneigten Jungs standen. Hartnäckig unkommunikativ. Zum Glück gab es einiges Dingsda, auf das man klicken konnte, und manchmal, wenn man klickt, teleportiert es einen irgendwohin, und so fand ich Case Schnabel und seine Leute. So kam ich auf dem segelnden Flugfloß zu einem Rundflug über die elf Inseln von Finis Terrae (aka schönster Arsch der Welt), und das war echt beeindruckend. Ich meine, wenn man so wie ich eigentlich reichlich damit zu tun hat, nicht über seinen eigenen Waschbären zu stolpern (geschweige denn über fremde Drachenklauen), dann ist es schon schwer vorstellbar dass da ganze Inseln und Schlösser und Ballonschwebebahnen gebaut werden - und Schneelandschaften auch.

Leider war ich zu beeindruckt, um Fotos zu machen. Erst beim gemütlichen Zusammenstehen fiel mir wieder ein, dass die eingebaute Kamera ja auch benutzt werden will.

Der Drache da, der beißt übrigens nicht. Er wollt auch nicht mal richtig spielen, sondern ist irgendwann einfach eingeschlafen. Vermutlich ist es ziemlich anstrengend, vom Hund zum Toaster zum Drachen zu mutieren. Selber fand ich dort fachkundige Hilfe, um den schwarzen Fleck über meinem Hals wieder zu einem Gesicht werden zu lassen. Besten Dank nochmal! So zweitlebte es sich gleich viel besser.

Die Kür der Gewinner des Fotowettbewerbs war richtig feierlich, und Freibier ist sowieso immer gut. Dass ich dann irgendwann noch mein längst verstaubtes Micro gefunden und angeschlossen habe, mag zur Gesamterfahrung beigetragen haben - aber ich muss gestehen, es fühlte sich danach ein paar Minuten lang fast seltsam an, wieder körperlich in einem ersten Leben zu landen. Hm. Vielleicht hat der Herr Trurl mit seiner Theorie ja doch recht (aber das ist eine andere Geschichte).

Schade, dass das erste Leben mich vorzeitig zurückgerufen hat… dass es noch spannend weiterging, sieht man auf den Fotos bei IT&W.

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Nimm deine Daten und geh!

29. Dezember 2008, 13:27 - TechLife

Bluelectric zeigt sein “Mobility-Pack” (Lummaland und Thomas Gigold auch), und da ich nichts Besseres zu tun habe keine Lust dazu habe, das zu tun, was ich eigentlich sollte, mach ich das hier auch Mal.

Die Basis bildet der eee 1000H. Dass ich mich für das unter den Netbooks doch recht große Gerät entschieden habe, liegt vor allem an zwei Dingen: Der vielschreiber-geeigneten Tastatur und der großartigen Akkulaufzeit. Was hat man schon davon, den kleinsten zu haben - und dann rutschen die Finger von den Tasten und der Akku haucht nach 2 Stunden ein leises “Das war’s dann”? - Eben.

Dazu mobiles Breitband von Orange (an einem Stick, der Huawei! heißt, kann nix falsch sein) und mein USB-Stick mit den Daten, die mir für’s Netz zu sensibel sind.

Das Telefon, ein mickriges Nokia 5300, wird demnächst ersetzt - der Akku ist ausgelutscht, das Display zerkratzt, und die größte Musikspeicherkarte, die es verträgt, sind 500MB. Am iPhone, das man hier in Österreich vor Weihnachten so gut wie nachgeschmissen bekommen hätte können, stören mich 2 Dinge: Zum einen der Hype, zum anderen die zentralistische Software-Verteilung. Und der Akku soll ja auch nicht besonders sein. (Aber es liegt, muss man schon sagen, gut in der Hand….) - Ich warte Mal auf die ersten Praxistestberichte vom 5800er, dann seh ich weiter. LG hat auch ein paar nette, die sind aber meistens für das Gebotene zu teuer.

Dazu natürlich noch analoges Schreibgerät; die vielgelobten Moleskins kommen mir nicht in die Tasche, ich will ein Büchlein mit festem (nicht biegsamen) Einband. Das Ding dann mit dem einen oder anderen Sticker zu verzieren, ist eine spätpubertäre Angewohnheit, die ich mir einfach leiste. Der Kugelschreiber, in dem Fall ein uralter Ballograph, ist austauschbar, solange er gut in der Hand liegt und weich (nicht dünn und/oder kratzig) schreibt. Außerdem eine Füllfeder (nicht im Bild), für eventuelle lyrische Einfälle oder wichtige Unterschriften. Und die Alltags-Kamera, verständlicherweise auch nicht im Bild.

Das ganze passt perfekt in den (oh, die Uncoolness!) IKEA-Family-Rucksack, der mit seiner harten Schale weitere Notebook-Schutzhüllen überflüssig macht. Mit dem anzipp-baren größeren Hinterteil wird bei Bedarf ein Übernachtungspack daraus.

Damit bin ich voll arbeitsfähig - wo fahr’ma hin?

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Floppy-di-Flop

16. Dezember 2008, 02:23 - Geschreibsel · Nostalgia · TechLife

Als mir der Herr Sufi heute diesen Link schickte, konnte ich zu jedem Satz nur nicken, oder doch zu fast jedem (ich kann mich nämlich nicht erinnern, unter XP jemals Disketten gebraucht zu haben). Besonders laut genickt habe ich aber zum letzten Satz: Ich weine dem Scheissding keine Träne nach.

Aber Erinnerungen werden wach. Reichlich.

Als ich seinerzeit, und das ist jetzt wirklich schon fast 20 Jahre her, für die Österreich-Vertretung einer bekannten Antiviren-Software gearbeitet habe, gab’s Updates alle 6 Wochen. Die wurden per Post ausgeliefert. Auf Diskette. Und weil die damals erhältlichen Mehrfach-Disketten-Kopiergeräte teurer waren als billige Arbeitskraft, saßen wir da und haben kopiert. Diskette rein, klack-a-di-klack-a-di-Klack, ewig hat das gedauert, dann Diskette raus, nächste rein, Label drauf. Und später den Diskettenstapel Scheibe für Scheibe in Kuverts versackt. My-Oh-My. Nachtschicht für Nachtschicht. Immerhin konnte man sich gut unterhalten dabei.

Und als dann erst die 3,5-Zoll-Disks aufkamen, man sollte kaum glauben, wie viele Kunden denn nun keine Ahnung hatten, welches Laufwek sie eigentlich haben. Da kam 3 Tage nach der Kopier-Orgie nochmals das Umsacken und Neuversenden dazu. Hachja. Es war fast wie in einem Handarbeitsclub.

Unendlich aufregend dagegen mein erstes gekauftes Computerspiel. Ich hab’s aus den USA bestellt. 2 Wochen Lieferzeit, und eine von den 3 Disks war defekt. Nach weiteren 4 Wochen konnte ich es endlich installieren. Es war ein Jump’nRun mit einem grünen Helden mit Gecko-Klebe-Füßen. Der war süß! Wenn ich noch wüßte, wie er heißt, ich würd glatt schauen, ob’s das irgendwo zum Download gibt. Aus reiner Nostalgie.

Irgendwann habe ich ein Corel-Draw-Paket gewonnen. 35 Disketten. Einmal installieren, und der Nachmittag war hinüber. Aber Hej, sie haben alle funktioniert!

Meine immer noch geliebte Sony TRV-900 (Videokamera) kam 2000 mit einem externen Diskettenlaufwerk mit PCMCIA-Anschluss, auf das man Stills abspeichern konnte. Ein Wunder der Technik war das, damals. In irgendeiner Kiste kugelt das Ding noch herum, mittlerweile doppelt obsolet: Floppy? PCMCIA? Vielleicht sollt’ ich ein Technikmuseum kontaktieren (einen 16MB Memory Stick der ersten Generation hätt’ ich übrigens auch noch).

Großes Erstaunen überkam mich allerdings letzte Woche, als ich erstmals in meinen neuen PC kroch. Die 300GB-Platte aus dem alten ist irgendwie doch zu schade zum wegschmeißen, also warum nicht einfach reinhängen? - Dummerweise erwies sich der Anschluss, den ich im Schatten des riesigen Prozessorlüfters als IDE identifiziert zu haben glaubte, im Licht der Taschenlampe als FDD. Daneben übrigens die IDE-Lötstellen, aber ohne Steckplatz. Das hat mich echt ins Grübeln gebracht. Denkt da tatsächlich irgendjemand, ein Floppy-Laufwerk sei unverzichtbarer als ein IDE-Port? Im Jahr 2008?

Fast so gut wie ein neuer Computer

17. September 2008, 20:59 - TechLife

Es ist ja, ich habe es schon einmal irgendwo hier erwähnt, so ein Neugier-Gen in mir, das mich dazu zwingt, alle neuen Möglichkeiten und Programme auszuprobieren, die mir so um die Ohren flattern und halbwegs vielversprechend klingen. Da kann ich gar nichts dafür, es ist ein Zwang, dem ich mich nicht entziehen kann.

Die meisten solchermaßen gefundenen Dinger sind eigentlich überflüssig, und wenn nicht, dann tun sie oft nicht wie versprochen. Oder sie wollen sich nicht ins System integrieren, dann dreht man da, schraubt dort, und irgendwie ist es dann immer Mal wieder soweit, dass das System furchtbar langsam geworden ist oder, wenn man die Finger in die falschen Einstellungen gesteckt hat, einfach gar nicht mehr will. Und dann ist es einfach Zeit. Für die Neuinstallation. Das passiert, mittlerweile kann ich schon von einem statistischen Mittel reden, bei mir so ca. 2-3 Mal im Jahr.

Während die meisten Menschen, die ich kenne, diesen Punkt fürchten, ist es für mich mehr sowas wie ein Ritual. Reinigung. Neuanfang. Und, nicht zu vergessen, ein schnelles, glattes, neues System, in dem man wieder anfangen kann, Dinge auszuprobieren, ohne darüber nachzudenken, wie sich das neue Ding mit den Relikten der bereits ausprobierten 127 arrangieren wird. Schön, eigentlich.

Aber weil ich zu meiner kreativ-chaotischen Seite durchaus auch eine pedantisch-ordnungsliebende habe, habe ich mir im Lauf der Zeit ein System zugelegt, das diesen Neuanfang so einfach, schnell und schmerzlos wie nur irgend möglich macht. Das besteht im Prinzip aus 3 Komponenten:

1.) Meine Platten sind so organisiert, dass die Systempartition wirklich nur die System- und Programmdaten enthält und sonst nix.
1.a) Ich trau keinem Programm, das darauf besteht, Benutzerdaten auf der Systempartition abzulegen. “Eigene Dateien” ist OK, die sind ohnehin umgelenkt.
2.) Ich habe eine Liste von Programmen für täglich Benötigtes, die ich bei der Installation nur abzuarbeiten brauche. Die Liste wohnt verschlüsselt auf meinem USB-Stick und beinhaltet Namen, download-Link und bei gekauften Programmen den Registrier-Schlüssel. Dazu ein Verzeichnis auf der Nebenplatte, das Programme, die ihre Vorgängerversion gern verstecken (damit man das Upgrade kaufen muss), vollständig bereit hält.
3.) Eine ähnliche Liste mit Passwörtern und Einstellungen, die ich gern vergesse, anders verschlüsselt, auf demselben USB-Stick.

Das System wird von Mal zu Mal optimiert und erlaubt mittlerweile, heute habe ich differenzierend mitgestoppt, eine Neuinstallation von “Partition löschen” zu “voll arbeitsfähig” in knapp über 2 Stunden. Wobei da mit einem schnelleren Prozessor und CD/DVD-Laufwek durchaus noch etwas rauszuholen wäre.

Wäre. Denn trotzdem (ich sagte ja “differenzierend mitgestoppt”!) hat es auch heute wieder um die 6 Stunden gedauert. Das zeitaufwendige Problem, das sitzt nämlich vor dem Rechner. Aus zwei Gründen.

Zum einen reicht es nicht, alle benötigten Einstellungen, Passwörter und License-Keys auch sicher abgelegt zu haben - man muss sich auch daran erinnern und darauf vertrauen, dass sie dort sind, wo sie der inneren Logik zufolge auch sein sollen. (Anstatt 3 Telefonate zu führen und 1/2 Stunde sinnlos in der Warteschleife zu hängen, bevor man drauf kommt, dass man die eben benötigten Daten natürlich auch griffbereit abgelegt hat).

Zum anderen stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt. Gibt es wirklich noch immer kein feines Programm zum Musikhören, das nicht wie iTunes den halben Rechner kapert? Muss ich wirklich auch in der nächsten Installationsperiode mit dem lästig verbugten Thunderbird leben? Hat vielleicht inzwischen jemand ein Firefox-Addon geschrieben, das praktischer ist, als die, die auf meiner Liste stehen? Mit Fragen wie diesen kann ich auf meiner Installations-Tour jedesmal wieder Stunden verbringen, und das wirklich Blöde daran ist, das Rum-Recherchieren macht auch noch Spass.

Also, Note to self: Vor dem nächsten Reinigungsritual User optimieren. Dann könnte es wirklich, wirklich schnell gehen.

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Die Sache mit dem schwarzen Loch

03. September 2008, 23:39 - TechLife · Schöne neue Welt

Es mag jetzt 6 oder 8 Wochen her sein, dass ich den ersten Artikel über dieses CERN-Experiment gelesen habe. Ein paar Tage später tauchten die ersten Panik-Theorien auf. Dass nämlich durch das Experiment am 10. September (heute in einer Woche) die Menschheit in ihrer Gesamtheit gefährdet wäre, weil dadurch schwarze Löcher geschaffen werden könnten, die die Erde stückchenweise verdichten und damit nicht nur uns alle, sondern möglicherweise die ganze Galaxie vernichten.

Naja. Dachte ich. Und, dass die Wissenschafter schon wissen werden was sie tun, und dass alle großen wissenschaftlichen Theorien auch Gegner hatten, die mit allen Mitteln versucht haben, den Fortschritt zu verhindern.

Mit anderen Worten, ich war nicht sonderlich beunruhigt. Eigentlich genaugenommen gar nicht.

Bis dann, vor ein paar Tagen, einer der CERN-Wissenschafter vor Kamera und Mikrophon trat. Er sagte - sinngemäß, nicht wörtlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Experiment schwarze Löcher produziert, ist außerordentlich gering. Und wenn, dann sind es nur ganz kleine, die unserer Einschätzung nach überhaupt keinen Schaden anrichten können.

Äh.

Ich bitte um Verzeihung, falls ich da jetzt etwas unzulässig verdichte, aber für mich hört sich das an wie: Wir haben keine Ahnung, was genau passieren wird, wenn wir diesen Schalter umlegen.

Und das hat mich dann doch etwas besorgt gemacht. Ich mein, nicht dass ich jetzt wirklich glauben würde, dass wir nächsten Donnerstag alle nicht mehr da sind. (Und wenn, dann würden wir’s vermutlich ohnehin nicht mitkriegen… und dem Universum ist das ohnehin egal.)

Jedenfalls hat mich die ganze Geschichte an einen Song erinnert. Den Nachrichtensprecher-Text für diesen Track (für alle Synth-Allergiker: Relevante Stelle beginnt bei ca. bei ca 5:40) könnte ich tatsächlich auch nach dem CERN-Techniker-Interview geschrieben haben. Realität und Imagination gleichen sich doch irgendwie immer weiter an. -

Und wenn alles gut geht, wovon wir jetzt einmal optimistischerweise ausgehen wollen, bleibt von der ganzen Geschichte immer noch das wunderbare Wort Schleunchenbeteiliger.

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Sicherheitsbremse, oder: “Ich wollte doch nur ein Spreadsheet öffnen”

01. Juli 2008, 15:09 - TechLife

Vor Wochen schon hatte ich mir ein kleines Dokument schicken wollen, das ich mir gebastelt hatte, um Verleiche zwischen Einnahmequellen anzustellen. Leer, aber mit den passenden Formeln und Macros versehen, um bei Eingabe von Zahlen in die dafür vorgesehenen Felder erhellende Prozentzahlen und Graphiken auszuspucken. Um es jederzeit überall verfügbar zu haben, sollte es ins Netz. Und das geht halt am einfachsten als Mailattachment. Theoretisch.

Allerdings kam es nicht an. Stattdessen informierte mich der nicht abschaltbare und nur sehr rudimentär konfigurierbare Spamschutz meines Providers, dass nicht mit völliger Sicherheit auszuschließen sei, dass das Dokument einen Virus enthält, und dass man es daher vorsichtshalber weggeworfen hätte. Ich möge, sollte ich daran interessiert sein, es trotzdem zu erhalten, mit dem Absender Rücksprache halten, um es auf anderen Wegen zu bekommen.

Ich hielt Rücksprache mit mir und beschloss, das Sheet an einen weniger sicheren Account zu schicken. Stand ja nichts drin, außer ein paar Formeln. Dort kam es dann auch an und lag bereit.

Heute wollte ich es benutzen. Ich loggte mich also in die Webmail ein, suchte die entsprechende Mail heraus und klickte auf den Downloadlink des Attachments. Statt des erwarteten Downloadfensters sprang mir allerdings erst Mal ein Popup in rot und gelb entgegen, das mir erklärte, das Webmail-Interface habe erkannt, dass ich im Begriff sei, einen potentiell gefährlichen Dokumenttyp herunterzuladen. Wollte ich das wirklich tun? Ich seufzte erst und wollte dann.

Die nächste Warnung kam, in dem Fall nicht unerwartet, nach dem Klick auf “Speichern unter” und vor dem tatsächlichen Speichern, von meinem Internet Security Paket. Sie informierte mich darüber, dass Spreadsheets eventuell Macros enthalten können, die auf meinem Computer möglicherweise Schaden anrichten. Ich sollte es nur speichern, wenn ich dem Urheber vertraue.

Ich vertraute mir und speicherte.

OpenOffice allerdings vertraute mir nicht. Beim Öffnen des Dokuments erläuterte mir eine Systemmeldung, dass das Dokument Macros enthält, die OO vorsichtshalber nicht auszuführen gedachte - sie könnten ja gefährlich sein und Schaden auf meinem Computer anrichten! Mit einem leisen Stöhnen hangelte ich mich durch die Menüs, bis ich die Option fand, die mir erlaubte, die von mir Zeile für Zeile eigenhändig geschriebenen Macros auch tatsächlich auszuführen.

Endlich! Mein Dokument! Mit Macros! Zur Dateneingabe bereit!

Allerdings hatte ich mittlerweile völlig vergessen, was ich mir eigentlich ausrechnen lassen wollte.

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