Andrea Sturm

Politisch

Afghanistan

06. Dezember 2001, 19:11 - Geschreibsel · Nostalgia · Politisch

Es war einmal, vor langer Zeit, da war Afghanistan mein Land der Träume. Wir schreiben die siebziger Jahre, und ich bin noch nicht einmal eingeschult. Ich sitze in einem Landgasthof, zwischen meinen Eltern, und ein Freund der Familie, der schon seit vielen Jahren dieses Sagenland bereist, zeigt Bilder - oder einen Film, ich weiß nicht mehr.



Was ich noch weiß, sind großgewachsene, stolze Menschen. Kinder mit großen Augen, die lachen über den Fremden mit der Kamera. Tänze von Männern in Pluderhosen und buntgekleideten Frauen. Pferde und Kamele und ein Rennen. Ein Bazar, den man fast riechen kann, auch wenn er nur an die Wand projeziert erscheint. Und das goldene Licht über der fremden Landschaft, karg und eigenartig aber seltsam beruhigend: So, als wäre die bloße Existenz einer solchen Weltgegend und dieser Menschen mit den ruhigen, dunklen Augen ein Versprechen, dass dereinst alles gut wird.



Jahre später, ein Picknick irgendwo in der Steiermark, mit diesem Freund und anderen, die gerade aus von einer ausgedehnten Asienreise zurückgekommen waren. Keine Bilder diesmal, aber Geschichten, die die Bilder in meinem Kinderkopf wieder lebendig machen.



Und die Sehnsucht in dieses goldene Licht zu fliehen, denn die kleinen Probleme in meinem kleinen Leben waren seither immer nur größer geworden. “Da möchte ich auch gerne einmal hin” sage ich. Und höre beruhigt, wie man mir versichert, dass das alles kein Problem sein würde, wenn ich einmal groß wäre.



Ein halbes Jahr später hört man zum ersten Mal von Problemen. Dann kommen die Russen. Und von da an wurde alles immer schlimmer.



Und das Sagenland ist voller Ruinen, hunderttausende Quadratkilometer Mahnmal gegen den Krieg, und die wenigen Bilder, die wir heute sehen, sind staubig und hoffnungslos.



Was bleibt, ist ein Museum. Und alte Bilder.



Links dazu:



Geschichte in Stichworten

World Fact Book

Women of Afghanistan

Afghan News Network

Radio Voice of Afghanistan (z.Zt. nicht erreichbar)

Offizielle Homepage (z.Zt. nicht erreichbar)

Die Taliban (z.Zt. nicht erreichbar)

Afghan Top 100 Websites (sind aber nur 15)

Bilderserie von 1978
Bilderserien 1995 bis 2000

Galerie mit Texten (gefunden von Liisa)



...und der CNN-Bericht, der diese sentimentalen Erinnerungen ausgelöst hat.

Ah ja…

25. Oktober 2001, 09:38 - Politisch

...das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:



STANDARD: Das heißt, man kann im Ausland keinen Erstantrag auf Asyl mehr stellen?

Strasser: So ist es.

STANDARD: Wo kann man dann noch Asyl beantragen?

Strasser: Bei der entsprechenden Behörde in Österreich.

STANDARD: Und wie soll der Flüchtling herkommen - außer mit einem Schlepper?

Strasser: Das ist eine internationale, kriminelle Organisationsform geworden, die wir bekämpfen müssen.



Logik aus der Sicht des Innenministers. (aus dem Camp)

Doch logisch

10. Oktober 2001, 20:36 - Chronistisch · Politisch

Dass in unserer less than perfect World einen Mord manchmal notwehrnötig oder in Einzelfällen auch ohne Notwehr nachvollziehbar ist, macht ihn noch lange nicht “richtig”.



Abtreibung aber ist kein Mord. Eine Handvoll sich teilender Zellen in meinem Körper ist kein Mensch.

Zum internationalen Frauentag

08. März 2001, 09:00 - Politisch · Weiberkram

Es ist schon sehr suspekt, wenn der ohnehin schon fehlbesetzte österreichische Frauenminister eine Abteilung für Männerpolitik gründet.



Halt. Treten wir einen Schritt zurück. Es ist schon sehr suspekt, wenn das “Frauenministerium” gar kein eigenes ist, sondern Teil des “Bundesministeriums für soziale Sicherheit und Generationen”.



Das sieht nämlich ein bisschen so aus, als wäre die Frau ohnehin ein Sozialfall - und zuständig ausschliesslich für die Erzeugung neuer Generationen. Das wirkt erschreckend und empörend, aber eigentlich ist es nur lächerlich. Ein Ausdruck der Hilflosigkeit der Politik, die den Tatsachen hinterherhinkt.



Die Tatsachen: Da gibt es einige wenige (nicht unwichtige) Dinge, die mit Politik zu tun haben, wie ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche Arbeit. Was nun wirklich nicht mehr zeitgemäß ist.



Aber: Da gibt es Dinge, die in den Köpfen von Menschen sitzen. In den Köpfen von Männern, die Frauen ganz tief drinnen immer noch als Besitz und Trophäe betrachten. In den Köpfen von Frauen, für die untergeordnet zu sein nicht nur die normale Lebensform ist, sondern auch eine gewisse Bequemlichkeit birgt.



Eine echte Gleichberechtigung kann nicht verordnet werden, sie kann nur stattfinden, wenn sich jeder und jede Einzelne löst von den Schablonen, in die Geschichte, Erziehung und Werbung uns zwängen wollen. Erst wenn wir wagen zu leben was wir sind, werden wir frei davon sein.



Eine Hilfestellung dazu wäre wünschenswert, ist aber nicht zu erwarten. Menschen müssen wir schon ganz alleine werden.



Nein, jetzt hast du mich mißverstanden!



Das bedeutet nämlich nicht, dass wir frei sind von Verantwortung für andere. Wer sich nicht helfen kann, der muss Hilfe finden, das ist ein wesentliches Merkmal der Zivilisation. Daher sind Einrichtungen wie ein (echtes) Frauenministerium, Frauenvereine, Frauenhäuser etc. wichtig und notwendig. Solange, bis wir alle Menschen geworden sind.


 


Links zum Thema:



Ceiberweiber

Ariadne

Archfem

The Pheminist Cyber Roadshow

 

Austern für Alle!

29. Januar 2001, 23:03 - Politisch · Watching TV

Daniel Cohn Bendit, in der Ard-Sendung Beckmann zu Gast, erzählt, dass Joschka Fischer in der WG, in der sie gemeinsam wohnten, damals, dort zum ersten Mal Austern gegessen hat. Beckmann fragt, wie denn das vereinbar sei, Austern mit dem revolutionären Gedankengut. Darauf der alte Rabauke: “Deshalb war ich doch für den Sozialismus, damit dann alle Austern essen können!”



Der Sufi sagt: Das ist wieder typisch Cohn-Bendit. Ich sage: Ganz typisch gut auf den Punkt gebracht. Auch wenn es nur ein rhetorischer Schmetterball war, liegt in diesem Satz gleichzeitig eine schöne Anspielung auf die Naivität, die wir uns heute leider(!) und zum Glück(!) kaum mehr vorstellen können.