Andrea Sturm

Weiberkram

Ein Königreich für einen Esel?

23. April 2004, 12:13 - Politisch · Weiberkram

Nein: Nur 90 € kostet ein Grautier im Projekt “Esel Initiative”. Die Tiere werden notleidenden alleinerziehende Frauen in Eritrea zur Verfügung gestellt, um sie von der Schwerstarbeit des Wasserschleppens zu entlasten und ihnen eine Starthilfe zu geben.

[via Moving Target & der Zirbel]

Knapp daneben

24. Juli 2003, 12:25 - InterNett · Bloggig · Weiberkram

...würde ja noch angehen. Aber bei den 10 Zutaten, die angeblich zu einem attraktiven Mann/einer attraktiven Frau gehören (also insgesamt 20) muss ich mich doch fragen, ob ich ein 50er-Jahre Revival verpasst habe. Gruselig, das.

Frauen, funktioniert!

08. Januar 2003, 17:42 - Watching TV · Weiberkram

Da surf ich einmal so während des Essens nicht durchs Netz, sondern die Fernsehkanäle entlang, und schon ist mir der Appetit verdorben: Ein nicht gerade sympathischer Gynäkologe preist eine derzeit im Versuchsstadium befindliche Pille an, die die Monatsblutungen auf vier pro Jahr reduzieren soll.



Das angebliche Wunderding soll nicht nur die lästigen monatlichen Begleiterscheinungen (von PMS bis zum teuren Tamponverbrauch) auf ein Minimum reduzieren, sondern auch das Krebsrisiko verringern (das glaub ich frühestens in 30 Jahren) und, hört und staunt, durch die selteneren Eisprünge die Funktionsdauer der Eierstöcke verlängern, so dass auch 60-jährige in Zukunft auf natürlichem Weg Kinder kriegen können.



Sehr glatt, das alles, und sehr funktionabel.


[Alte Kommentare rübergerettet]



Re: Frauen, funktioniert!

so wird die frau zur eierlegenden wollmilchsau.

katatonik, 08.01 19:52





Re: Re: Frauen, funktioniert!

ja, irgendwie befürchte ich das auch… klingt eher nach langzeit-legehenne denn als menschliches wesen… brave new world.

vaporops, 09.01. 05:38  





Re: Re: Frauen, funktioniert!

...und Langzeit-Arbeitsbiene, die dann als Hausmutti zur Verfügung steht, wenn sie für den Arbeitsmarkt zu alt ist.

Irene, 09.01. 08:41  





Jawohl. multifunktional und ohne wirtschaftliche Beeinträchtigung.

Chronistin, 09.01. 16:27  





Die Evolution

läßt sich nich besch…

Was diese Mediziner/Pharma-Fuzzies immer erzählen, wie toll und gesund das alles ist… die haben doch noch nicht mal ein funktionierendes Schnupfenmittel gefunden, aber an der Fortpflanzung rumpfuschen.

seewolf, 09.01 08:45





hebammen meinen…

...jede menstruation sei in gewissem sinne eine vorbereitung auf die schwangerschaft und geburt. man kann sicher sein, dass alles gut funktioniert, und das gewebe ist auf abstossung und rückbildung trainiert. wenn man das aber unterbricht, könnte es durchaus zu problemen kommen.

aber alles weitere möchte ich den mitlesenden herren dann doch ersparen ;)

tera, 09.01 12:38





Wieso?

Herren müssen auch trainieren, für das Hardcore-Zugucken bei der Geburt. Wer da schon wegen ein bißchen Menstruationstext umkippt, soll zur Geburt besser wen anders mitgehn lassen :o)

(Was red ich eigentlich? Ich will eh kein Kind und such auch keinen geburtsfesten Mann….)

Irene, 09.01. 12:46  





Geburtsfest muss er nicht sein

Aber wenn er beim Wort Menstruation o.ä. schon umkippt, ist er wahrscheinlich ohnehin nicht zu gebrauchen. ;)

Chronistin, 09.01. 16:25  



Re: Frauen, funktioniert!

Sicher ist, dass, wenn das Zeug funktioniert, der Mann reicher wird als Carl Djerassi.

Trurl, 09.01 16:07

 

Hellsehen

28. Oktober 2002, 18:45 - Politisch · Weiberkram

Wir sind eine glückliche Familie und werden es auch immer bleiben, sagte Frau Schausberger eben in der ZiB als Reaktion auf diese Geschichte. Es klang, als wäre das “immer glücklich bleiben” etwas, das man erhält, wenn man nur hart genug dafür arbeitet; “das Glück aufrechterhalten” als Aufgabe wie “das Haus sauber halten” oder “den Körper in Form halten”.

The good wife’s guide

03. Oktober 2002, 10:34 - Weiberkram

Sollte sich 1955 eine Ehefrau wirklich an diese Regeln gehalten haben (1955! Wir sprechen hier nicht vom finsteren Mittelalter!), dann hätte ich gerne gewusst, wie sie nach all den anderen Dingen auch noch Punkt acht erledigen konnte.


[Altkommentare, gerettet:]



Finsteres Mittelalter?

Nach meinem bescheidenen Informationsstand hatten Frauen im Mittelalter zeitweise größere Handlungsspielräume als zuhause mit dem Essen zu warten…..

Irene, 03.10 10:52





najanaja

vermutlich lassen sich für jede zeitepoche beispiele finden, warum es frauen in derselbigen besser/schlechter ging als in der davor / danach. zb könnte ich jetzt sagen, in den fünfziger jahren wurden zumindest keine heilerinnen mehr als hexen verbrannt. aber das ist ja nicht der punkt. sondern die völlige absurdität der vorstellung, die (ehe)frau als dienerin zu betrachten. und, noch schlimmer, dass die (ehe)frau sich selbst als solchige betrachtet. das zieht sich natürlich quer durch alle epochen (inklusive unserer eigenen), aber so klar und ungeniert ausgeschrieben habe ich es noch nirgends gesehen.

Chronistin, 03.10. 11:19  





Die öden Fünfziger des Goldenen Westens

In der BRD hatten Männer laut BGB bis Ende der fünfziger Jahre das Recht, die Arbeitsverträge ihrer Ehefrau zu kündigen, und dergleichen mehr. Da paßt doch der Zeitschriftenausschnitt perfekt dazu.



(War mir schon klar, was Du gemeint hast, ich hab halt eine Allergie gegen die Slogans vom finsteren Mittelalter, der steinzeitlichen Brutalität und der alttestamentarischen Härte. Das sind meist Klischees. Hexenverbrennung war zu Beginn der Neuzeit, denke ich.)

Irene, 03.10. 11:34  





grundsätzlich stimme ich zu, was die slogans angeht

aber manchmal sind sie ganz praktisch, wenn man mit einem Schlagwort die Konstruktion eines Gedankengerüsts abkürzen kann. Dummerweise wird das häufig missverstanden =8-}

(ist zwar fast schon haarspalterei, aber hexenverbrennungen sind auch aus dem 13. jh. überliefert.)

Chronistin, 03.10. 13:02  





Wie auch immer:

Ab jetzt heißt es finstere Fünfziger - klingt auch schlagworttechnisch besser ;-)

Irene, 03.10. 13:29  





finstere Fünfziger

klingt gut. obwohl, im kühlschrank war schon licht ;)

Chronistin, 03.10. 14:59  





Re: The good wife’s guide

ohne mir das jetzt genau angesehen zu haben: ist es so viel anders?



meine mutter brachte früher frauenzeitschriften kiloweise nach hause und lebt heute noch deren eher inoffiziellen regeln. mich hat das geprägt, leider. ähnliches beobachte ich bei den “jungen mädchen” meiner umgebung, auch daß die prägung sich in z.t. unverhältnismäßigem trotz äußert.

aelis, 03.10 20:17





die wirkung ist wahrscheinlich ähnlich

die message ist eine andere: Die ganzen “Frauenzeitschriften” behaupten doch, die Frauen würden glücklich durch den Schrott, den sie verbreiten (und dann könnten sie auch einen Mann glücklich machen und werden dann noch glücklicher weil er glücklich ist, oder so). Wohingegen obenstehende Anleitung sich den Zwischenschritt des weiblichen Glücks erspart und ehrlich und kurz und bündig gleich das männliche Wohlergehen zum Ziel erklärt, und zwar zum alleinigen Ziel.

Chronistin, 04.10. 09:56  





stimmt

da hab ich mehr gelesen als an worten dasteht.

hoffentlich hattest du noch eine gute nacht letzte nacht.

aelis, 05.10. 07:09

 

oh und übrigens!

13. Januar 2002, 21:49 - Chronistisch · Weiberkram

heute, air france flug 2038 paris-wien, eine frau als pilotin und dafür lauter männliche stewards. wurde auch mal höchste zeit. hätte nach dem flug beinahe die madame pilotin gesucht, um ihr zu danken, dass sie mich gerächt hat (1985, AUA: “nein, wir nehmen keine weiblichen bewerber in die pilotenausbildung auf” - dass meine 5,5 dioptrien kurzsichtigkeit eine linienpilotinnenkarriere ohnehin verhindert hätten, habe ich erst später erfahren).

Doris Lessing und der Feminismus

12. August 2001, 13:10 - Buch und Literatur · Weiberkram

Zum ersten etwas Allgemeines. Feminismus ist ein -ismus und daher wie alle solchen mit Vorsicht zu genießen. -ismen bestehen aus AmtsträgerInnen, staubtrockenen Pamphleten und unbeugbaren Regeln. -ismen sind Feinde des Organischen, des Hausverstands und des Unberechenbaren. -ismen sind ganz einfach suspekt.



Zum zweiten: Der dieStandard-Artikel ist schlecht und polemisch übersetzt. Im Original steht:

Lessing claimed that much of the “great energy” whipped up by feminism had “been lost in hot air and fine words when we should have been concentrating on changing laws. dieStandard übersetzt: [Lessing] suchte Distanzierung vom Komplex Feminismus, dessen “große Energie in heißer Luft und schönen Worten verloren gegangen” sei, wie sie in Edinburgh betonte. The Guardian zitiert: “It has become a kind of religion that you can’t criticise because then you become a traitor to the great cause, which I am not.” dieStandard übersetzt: [nichts] The Guardian schreibt: Lessing also revealed she is not going to write a third volume of her autobiography because she did not want to offend so “many great and eminent people by reminding them of their silliness. I just can’t be bothered, to be honest”. dieStandard übersetzt: Schreiben will Lessing künftig nicht mehr, zumindest nicht den dritten Teil ihrer Autobiografie. Es kümmere sie nicht mehr. Ein Lehrstück zum Thema sinnentstellendes Weglassen.


Zum internationalen Frauentag

08. März 2001, 09:00 - Politisch · Weiberkram

Es ist schon sehr suspekt, wenn der ohnehin schon fehlbesetzte österreichische Frauenminister eine Abteilung für Männerpolitik gründet.



Halt. Treten wir einen Schritt zurück. Es ist schon sehr suspekt, wenn das “Frauenministerium” gar kein eigenes ist, sondern Teil des “Bundesministeriums für soziale Sicherheit und Generationen”.



Das sieht nämlich ein bisschen so aus, als wäre die Frau ohnehin ein Sozialfall - und zuständig ausschliesslich für die Erzeugung neuer Generationen. Das wirkt erschreckend und empörend, aber eigentlich ist es nur lächerlich. Ein Ausdruck der Hilflosigkeit der Politik, die den Tatsachen hinterherhinkt.



Die Tatsachen: Da gibt es einige wenige (nicht unwichtige) Dinge, die mit Politik zu tun haben, wie ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche Arbeit. Was nun wirklich nicht mehr zeitgemäß ist.



Aber: Da gibt es Dinge, die in den Köpfen von Menschen sitzen. In den Köpfen von Männern, die Frauen ganz tief drinnen immer noch als Besitz und Trophäe betrachten. In den Köpfen von Frauen, für die untergeordnet zu sein nicht nur die normale Lebensform ist, sondern auch eine gewisse Bequemlichkeit birgt.



Eine echte Gleichberechtigung kann nicht verordnet werden, sie kann nur stattfinden, wenn sich jeder und jede Einzelne löst von den Schablonen, in die Geschichte, Erziehung und Werbung uns zwängen wollen. Erst wenn wir wagen zu leben was wir sind, werden wir frei davon sein.



Eine Hilfestellung dazu wäre wünschenswert, ist aber nicht zu erwarten. Menschen müssen wir schon ganz alleine werden.



Nein, jetzt hast du mich mißverstanden!



Das bedeutet nämlich nicht, dass wir frei sind von Verantwortung für andere. Wer sich nicht helfen kann, der muss Hilfe finden, das ist ein wesentliches Merkmal der Zivilisation. Daher sind Einrichtungen wie ein (echtes) Frauenministerium, Frauenvereine, Frauenhäuser etc. wichtig und notwendig. Solange, bis wir alle Menschen geworden sind.


 


Links zum Thema:



Ceiberweiber

Ariadne

Archfem

The Pheminist Cyber Roadshow