Andrea Sturm

Sprache(n)

Spruch drauf

17. Juli 2002, 16:42 - Sprache(n) · Wien

Angesichts der gestrigen U-Bahn-Panne ist mir ein Jahre alter U-Bahn-Fahrer-Ausspruch wieder eingefallen, der mich damals in seiner sprachlichen Wucht beinahe unter die Bänke gefegt hätte.



Es war die U6, Station Niederhofstrasse. Die U-Bahn-Garnitur stand lange, sehr lange. Schliesslich entschloss sich der Fahrer, den Fahrgästen etwas Information zukommen zu lassen. Die Lautsprecheranlage schaltete sich mit einem heftigen Knacken ein. Dann ein kräftiges Räuspern, eine spannungsfördernde Pause, und schliesslich eine Stimme, die sich bemühte, ihren zutiefst wienerischen Slang zu verbergen:



Sehr geehrte Fahrgäste. Damen und Herren. Wegen einem defekten Vorderzug, der wo gekuppelt werden muss - Pause - gekuppelt werden wird, kommt es auf unserem Zug zu - lange Pause - kommt es auf unserem Zug zu verzögerter Fahrzeit und verlängerten Stationen - Pause - verlängertem Stationsaufenthalt.



Wir blieben noch eine ganze Weile stehen, aber wo immer sich zwei Passagieraugenpaare trafen, entstand verhaltenes Gekicher. Als Sammler von mehr oder weniger gepflegten Stilblüten habe ich diese wahre Orchidee natürlich sofort in meinem Notizbuch festgehalten.



Weitere Auszüge aus der Sammlung könnten folgen.

Wendezugstörung

24. Juni 2002, 23:01 - Geschreibsel · Sprache(n)

Eine Wendezugstörung hat mich heute eine Stunde meines Lebens gekostet. Und dann auch wieder nicht. Schließlich habe ich den Großteil der Stunde, die mir die Wendezugstörung geklaut hat, gemütlich tratschend verbracht. Und das gibt es auch nicht alle Tage.



Eine Wendezugstörung liegt dann vor, wenn ein Triebwagen in einen Kopfbahnhof einfährt und mangels Kommunikation mit dem bis dahin letzten Waggon nicht rücklings aus dem Kopfbahnhof ausfahren kann. Das habe ich heute gelernt.



Gut so. Jeden Tag ein neues Wort. Auch wenn man das Wort vermutlich im ganzen Leben nie wieder brauchen wird. Aber: Was weiss man schon.



Wenn nun so eine Wendezugstörung vorliegt, müssen die östereichischen Bundesbahnen eilends nach einem zweiten Triebwagen suchen, den sie an das Ende des Zuges hängen. Und das kann dauern.



Wenn dann der wendezugstörungsbedingt verspätete Zug mitten in der Nacht mitten in der Pampa stehenbleibt, bemüht der wendezugstörungsbedingt vom Heimgehen abgehaltene Bahnhofsvorstand nicht mehr die Mikrophonanlage. Stattdessen öffnet er die Tür zum Warteraum und sagt mit beinahe übers Kinn hängenden Augenlidern: “Ihr Zug kommt gleich”. Das wirkt sympathisch unprofessionell und erinnert mich daran, dass ich einmal eine Kurzgeschichte schreiben wollte zum Thema: Ein Tag im Leben des Bahnhofsvorstands von Rekawinkel.



Vielleicht mach ich das noch.



Irgendwann.

Schottisch

05. September 2001, 08:05 - Sprache(n)

Morgens als erstes einen schottischen Akzent zu hören, hat etwas heimeliges. Obwohl ich noch nie in Schottland war. Aber diese Intonation hat etwas Beruhigendes, als würde der Sprecher ein Baby beruhigen, wo er doch eigentlich über einen neuen Film spricht. Ein bisschen ähnlich wie das Schwedische. Das singt auch so, dass jede Horrorstory zur Gute-Nacht-Geschichte wird.

Warum ich mich über den IKEA-Katalog freue

23. August 2001, 08:59 - Sprache(n) · Spamperlen

Jahr für Jahr hängt der dicke Katalog an der Türe, und schon, während ich ihn in die Wohnung mitnehme, weiß ich, dass ich auch heuer aller Wahrscheinlichkeit nach nichts daraus kaufen werde. Trotzdem wird der Katalog gewissenhaft durchgeblättert, jedes Mal wieder.



Die Möbel heißen nach Orten, an denen ich schon war, wie Stenskär, Dalarö, Öland oder Rotebro. Oder nach Orten, an die ich gerne einmal reisen möchte. Die Bilder dazu sind hell und lichtdurchflutet und zeigen Idyllen, vor denen man nicht zu fliehen braucht. Die Dekorationsbücher in den Regalen haben schwedische Titel, die man manchmal sogar entziffern kann, und in den Texten daneben stehen Dinge wie: “Wie du dein Heim gemütlicher machen kannst: 1. - Teile es mit einer Katze. Nichts besonderes, aber unerwartet. In einem Möbelkatalog.



Und dann erinnert mich dieser Katalog immer an die Zeiten, wo ich noch so häufig die Wohnung - das Zimmer - gewechselt habe, dass das Freitagsessen in der IKEA-Kantine fest im Wochenplan verankert war. Inbusschlüssel und eingeklemmte Finger waren die Resultate am Abend. Und - things have changed - Köstlichkeiten wie Gravad Lachs, der heute in jedem Supermarktregal liegt, gab es damals nur durch Direktimport. Oder Weihnachten bei IKEA.



Soviel zu meiner Möbelhausnostalgie.

Schöner Buchstabe

26. Juli 2001, 14:43 - Sprache(n)

 

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Unverhoffte Alltagslyrik

12. Januar 2001, 09:32 - Sprache(n)

Aus dem Reich der Botanik: Dort gibt es den Schlupfstengeligen Sterbeschön (und so sehr ich mich auch bemüht habe, ich konnte keinen Link dazu auftreiben).