Andrea Sturm

Geschreibsel

Floppy-di-Flop

16. Dezember 2008, 02:23 - Geschreibsel · Nostalgia · TechLife

Als mir der Herr Sufi heute diesen Link schickte, konnte ich zu jedem Satz nur nicken, oder doch zu fast jedem (ich kann mich nämlich nicht erinnern, unter XP jemals Disketten gebraucht zu haben). Besonders laut genickt habe ich aber zum letzten Satz: Ich weine dem Scheissding keine Träne nach.

Aber Erinnerungen werden wach. Reichlich.

Als ich seinerzeit, und das ist jetzt wirklich schon fast 20 Jahre her, für die Österreich-Vertretung einer bekannten Antiviren-Software gearbeitet habe, gab’s Updates alle 6 Wochen. Die wurden per Post ausgeliefert. Auf Diskette. Und weil die damals erhältlichen Mehrfach-Disketten-Kopiergeräte teurer waren als billige Arbeitskraft, saßen wir da und haben kopiert. Diskette rein, klack-a-di-klack-a-di-Klack, ewig hat das gedauert, dann Diskette raus, nächste rein, Label drauf. Und später den Diskettenstapel Scheibe für Scheibe in Kuverts versackt. My-Oh-My. Nachtschicht für Nachtschicht. Immerhin konnte man sich gut unterhalten dabei.

Und als dann erst die 3,5-Zoll-Disks aufkamen, man sollte kaum glauben, wie viele Kunden denn nun keine Ahnung hatten, welches Laufwek sie eigentlich haben. Da kam 3 Tage nach der Kopier-Orgie nochmals das Umsacken und Neuversenden dazu. Hachja. Es war fast wie in einem Handarbeitsclub.

Unendlich aufregend dagegen mein erstes gekauftes Computerspiel. Ich hab’s aus den USA bestellt. 2 Wochen Lieferzeit, und eine von den 3 Disks war defekt. Nach weiteren 4 Wochen konnte ich es endlich installieren. Es war ein Jump’nRun mit einem grünen Helden mit Gecko-Klebe-Füßen. Der war süß! Wenn ich noch wüßte, wie er heißt, ich würd glatt schauen, ob’s das irgendwo zum Download gibt. Aus reiner Nostalgie.

Irgendwann habe ich ein Corel-Draw-Paket gewonnen. 35 Disketten. Einmal installieren, und der Nachmittag war hinüber. Aber Hej, sie haben alle funktioniert!

Meine immer noch geliebte Sony TRV-900 (Videokamera) kam 2000 mit einem externen Diskettenlaufwerk mit PCMCIA-Anschluss, auf das man Stills abspeichern konnte. Ein Wunder der Technik war das, damals. In irgendeiner Kiste kugelt das Ding noch herum, mittlerweile doppelt obsolet: Floppy? PCMCIA? Vielleicht sollt’ ich ein Technikmuseum kontaktieren (einen 16MB Memory Stick der ersten Generation hätt’ ich übrigens auch noch).

Großes Erstaunen überkam mich allerdings letzte Woche, als ich erstmals in meinen neuen PC kroch. Die 300GB-Platte aus dem alten ist irgendwie doch zu schade zum wegschmeißen, also warum nicht einfach reinhängen? - Dummerweise erwies sich der Anschluss, den ich im Schatten des riesigen Prozessorlüfters als IDE identifiziert zu haben glaubte, im Licht der Taschenlampe als FDD. Daneben übrigens die IDE-Lötstellen, aber ohne Steckplatz. Das hat mich echt ins Grübeln gebracht. Denkt da tatsächlich irgendjemand, ein Floppy-Laufwerk sei unverzichtbarer als ein IDE-Port? Im Jahr 2008?

Was seither geschah

03. Dezember 2008, 23:24 - Chronistisch · Geschreibsel · Nanowrimo 2008

Tja, ich gestehe, dieses Weblog sowie alle ausgelagerten Social-Networking-Tätigkeiten sträflich vernachlässigt zu haben. Und ich kann nicht einmal versprechen, dass das so bald nicht wieder vorkommt. Gründe dafür sind (in zeitlicher, nicht zeitfressender Reihenfolge): Nanowrimo und die Folgen, eine wahrscheinlich bevorstehender interessanter Langzeitauftrag (fingers crossed), ein heftiger Schnupfen, eine Reihe von klein-aber-schell-Aufträgen und die Erkenntnis, dass das soziale Networken nur dann wirklich Spass macht, wenn man es eben dauernd macht und nicht nur 5 Minuten am Tag.

Was mich im übrigen umgehend zu der für mich überraschendsten Erkenntnis aus dem Romanschreiber-Monat bringt - nämlich, dass das kreative Schreiben auch dann funktioniert, wenn man momentan weder Lust noch Zeit noch Inspiration verspürt. Im Gegensatz zum journalistischen oder dokumentarischen Schreiben (das sowieso immer dann funktioniert, wenn eine Tastatur in Reichweite ist) dachte ich bislang immer, zum Entwickeln einer imaginativen Geschichte bräuchte man Seite für Seite das richtige “Feeling”. Weit gefehlt, nach den ersten paar Seiten geht es auch so. Das ist das Wichtigste, was ich im November gelernt habe - die Community dort ist zwar nett, hilfreich und interessant, was aber dem Schreiben eher hinderlich als förderlich ist - die Zeit, die man in den Foren verbringt, fehlt ja dann beim Schreiben. Die Story kriegt noch ihr richtiges statt des improvisierten Endes, und dann geht’s in die zweite Phase, Überarbeitung. Ich mag die Geschichte noch immer, oder eigentlich mehr denn je.

Unerwartete Geschenke beleben übrigens auch den Alltag - der neue PC ist tatsächlich so stark und gut eingerichtet, dass er von Anfang an mehr Zeit brachte, als die Konfiguration benötigt hat; allerdings hat das Rumspielen mit der vervielfachten Leistung dann die so gewonnene Zeit schnell wieder aufgefressen. Was solls, ein bisschen Spass gehört ja auch dazu. Der ebenso unerwartete Nettop weigert sich hingegen beharrlich, eine netzwerktechnische Beziehung mit dem Flaggschiff einzugehen - immerhin habe ich es geschafft, Netzlaufwerke wireless zu verbinden. Der Rest wartet auf mehr Zeit - ich hoffe nicht zu lange.

Über den Rest kann, will oder darf ich im Moment nichts sagen… je nachdem. Mal sehen. Die Wirtschaft übt sich im Jammern, ich ungewohnterweise in Zuversicht.

/me pfeift fröhlich

27. November 2008, 23:54 - Geschreibsel · Nanowrimo 2008

Tja, da musste ich noch ein bisschen zaubern, um einen vorzeitigen Schluss hinzukriegen, der theoretisch für sich stehen könnte, damit ich mein Zertifikat auch guten Gewissens abholen konnte, aber… geschafft!

Und wenn die anstehenden RL-Events abgehandelt sind, die mich schon wieder früh ins Bett zwingen, erzähl ich gerne noch ein bisschen darüber, wie es so war.

 

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9 Tage vor Schluss

22. November 2008, 00:45 - Geschreibsel · Nanowrimo 2008

Miriam sagte dachte

Nano-Zwangspause

21. November 2008, 02:18 - Geschreibsel · Nanowrimo 2008

Heute aus operativen Gründen nicht zum Schreiben gekommen, und der Tag wirkt, trotz hoher Produktivität mit teils kreativen Ansätzen, im Nachhinein ziemlich öd und leer.

Ich schätze, das sollte mir zu denken geben.

2 x mitgeredet

Hm, vielleicht sollte ich…

18. November 2008, 00:51 - Chronistisch · Geschreibsel · Nanowrimo 2008

mal wieder etwas in mein Weblog schreiben. Wie schaut denn das sonst aus?

Im besten Fall sieht es so aus, dass ich anderweitig beschäftigt bin, und das stimmt ja auch. Nanowrimo, ihr erinnert euch? Nano läuft gut. Es fällt mir immer noch erstaunlich leicht, vage ausgedachte Ideen in klare und deutliche Szenen zu fassen, und was noch erstaunlicher ist: Es fällt mir auch leicht, nicht darüber nachzudenken, wer das jemals lesen wollen sollte und warum. Bisher war das ja immer so mein Knackpunkt, bei größeren Schreibprojekten, auf Seite 30 oder bestenfalls 35. Dazusitzen und zu denken: “wen um alles in der Welt interessiert das?”, und dann war das Ding schon wieder in der Schublade des Vergessens. Über sowas denke ich gar nicht nach, zurzeit, schreiben steht einfach auf dem Terminplan, vielleicht ist das ja der Punkt.

Dazu noch andere Projekte, kurzfristige und langfristige, lästige und spannende. Und solche, die ebenso spannend wie lästig sind. Wie immer halt, nur dichter. Vielleicht ist ja wirklich was dran an der Geschichte mit der 42, oder vielleicht bin ich auch nur momentan geniegter, aufzumerken. Auch darüber denke ich nicht weiters nach.

Und genau das ist der Grund, warum ich hier momentan wenig zu sagen habe, an der Zeit liegt’s nicht, das bisschen Zeit bleibt immer, aber: Worüber sollte ich bloggen, wenn ich zurzeit sehr glücklich nicht reflektiere?

Aber keine Sorge, auch das wird sich wieder ändern. Ganz sicher. Ich kenn mich schon lange und gut genug.

Das erste Viertel

08. November 2008, 01:27 - Geschreibsel · Nanowrimo 2008

Zwischen schreiben und arbeiten verlässt mich die Lust, auch noch zu theoretisieren. Da kommt ein Wordle-Spiel ganz gut…

"Wasser" in Wordle

Ich mag jetzt keine Pötte casten

02. November 2008, 00:41 - Chronistisch · Geschreibsel · Nanowrimo 2008

...und ein paar Buchstaben habe ich noch, obwohl ich zusätzlich zu den knapp 22.000 Zeichen vom heutigen Nanowrimo-Start noch 3000 für einen werdenden Artikel und schätzungsweise nochmal so viele für diverse Emails abgesondert habe. Wow. Ich beeindruckt von mir. :) In Zeichen liest sich das eigentlich viel besser, in Wörtern zu rechnen ist neu für mich, da muss ich mich erst dran gewöhnen. (Das Wordcount-Widget da rechts oben offenbar auch. 3460 sind es, im Moment.)

Ich habe aber auch nicht viel zu erzählen, weil meine Geschichte mich völlig rücksichtslos einfach aufgesogen hat. Alles andere, so lächerliches Zeugs wie “Essen”, “Duschen” oder “bestellte Artikel schreiben”, würde ich am liebsten streichen, aber da man ja auch nicht dauerhaft stinkend und unzuverlässig mit leerem Magen herumlaufen kann, nehme ich mich ab und zu bei der Hand und führe mich ins wirkliche Leben zurück. Wo dann auch andere Ereignisse vorbeirauschen und leise pfeifen wie ein D-Zug von ganz weit her, auch wenn ich sie normalerweise recht interessant finden würde. Dass die US-Wahlen bald sein werden, zum Beispiel, hoffentlich schafft’s der Herr Obama; dass die Formel 1 ins Finale geht (sieht ja so aus, als würde Hamilton schon wieder knapp dran vorbeirauschen…); dass der Hannes Arch Red Bull Air Race Champion ist, obwohl das letzte Rennen noch gar nicht geflogen ist. Verdammt cool eigentlich, und im normalen Leben würde ich jetzt glaube ich durchmachen und mir um 4 Uhr früh den Livecast aus Australien anschauen, nur so, aber mein Leben ist im Moment einfach nicht wirklich normal.

Weil das einzige, was mich wirklich interessiert, sind ein paar mitgenommene Gestalten, die zurzeit in knallroten Schwimmwesten etwas verloren in den hohen Wellen in einer Sturmfront mitten im Mittelmeer herumtreiben. Eigentlich möchte ich ja sofort weitermachen, aber irgendwie erscheint es klüger, die armen Schweine noch ein bisschen alleine vor sich hin treiben zu lassen, um morgen früh an einem Punkt weiterzuschreiben, an dem ich genau weiß, wie der nächste Satz lautet. Oder jedenfalls ziemlich genau.

(Das waren übrigens nochmal fast 2000 Zeichen. Mit dem Nachsatz sinds wahrscheinlich 2000. :) )

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“Wasser”, bislang nur knietief

30. Oktober 2008, 14:26 - Geschreibsel · Nanowrimo 2008

Zwei Tage, bevor der Wahnsinn beginnt, darf man sich schon einmal fragen, ob man das auch wirklich ernst meint. Rückschlüsse auf die geistige Gesundheit sind durchaus erlaubt, wenn man die Frage mit einem kräftigen “Jawoll!” beantwortet.

Die Vorbereitungen sind weit gediehen: Freunde und Innen sind informiert, dass das Sozialleben im November weitgehend ausfällt, Kaffee und Mineralwasser sind reichlich eingelagert, im Küchenkastl stapeln sich Instant-Nudelgerichte und 5-Minuten-Suppen, einen Monatsvorrat an Vitaminpillen habe ich auch angeschafft. Nur der Nachschub an Red Bull Cola ist einstweilen ungeklärt, vielleicht sollte ich doch noch schnell um ein Sponsoring ansuchen?

Der Laptop (mein alter W2K-Sony) muss noch gepimpt werden, damit das Schreibprogramm meiner Wahl dort auch läuft - dafür habe ich mir Evernote ausgesucht, aus mehreren Gründen:
- Das Schnickschnack-freie Interface in der Artikel-Vollansicht. Ich neige nämlich dazu, mich in Layout-Details zu vertiefen, sobald ich in einer Geschichte den Faden verliere. Word und Konsorten geht daher gar nicht; ich komme damit nie über die dritte Seite hinaus (die drei Seiten schauen dafür aber perfekt aus…).
- Die Möglichkeit, jeden Tag auf einem frischen, weißen “Blatt” starten zu können, ohne deshalb am Ende mit einem Haufen verschiedener Dateien dazustehen (ich liebe unbeschriebene Blätter. Und unbeschriebene Bildschirme. Es gibt nichts motivierenderes für mich…)
- Das automatische Backup. Am Laptop geschrieben und gespeichert, marschiert der Inhalt automatisch auf den USB-Stick, und sobald ich den am anderen Rechner anstecke, wird’s auch online gesichert - sorgenfreies Schreiben durch selbsttätiges 4-fach-Backup
- die fehlende Wordcount-Funktion. Ich kenn mich, hätte ich die Möglichkeit, “mal schnell nachzuschauen”, ich würde das nach jedem Satz tun. Gar nicht gut für den Schreibfluss. Außer meinem “eingebauten” Zähler, der mich automatisch nach jeweils ziemlich genau 3000 Zeichen aufseufzen und einen Moment ins Leere starren lässt (frag mich keiner, woher das kommt) bleibt die tatsächlich geschaffte Wortanzahl also eine Überraschung bis zum abendlichen Umkopieren. Und das ist gut so.

Anfangen werde ich am ersten November übrigens nicht um Mitternacht, wie das offenbar erstaunlich viele tun, sondern in der Früh gleich mit dem ersten Kaffee. Ich finde, eine neue Geschichte verdient eine frische und ausgeschlafene Autorin. Spätere “Nachtflüge” sind durchaus wahrscheinlich, aber der Anfang soll klar und strahlend werden, wie ein junger Tag.

Eine Kurzzusammenfassung der Story…

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Sauermilch und saure Milch

23. Oktober 2008, 14:09 - Geschreibsel · Nostalgia

Eben, im Supermarkt, vor mir am Kühlregal ein Pärchen, der Sprache nach norddeutscher Provenienz, die genau dort standen, wo ich hingreifen wollte. Anstatt aber zügig einzukaufen, diskutierten sie eingehend mögliche Vor- und Nachteile der ihnen offenbar fremden Produkte. Es war klar: Das würde länger dauern. Ich besuchte inzwischen das Käseregal nebenan, wo mich ein schriller Schrei ereilte. “WAS IST DAS DENN?” - In der Hand hielt das entsetzte Nordlicht das grünweiße Päckchen mit der fröhlich winkenden Kuh, dessentwegen ich eigentlich auch an das Regal wollte. Sauermilch. MMMhhh! - Die Fremden waren anderer Meinung. “Man kann doch keine saure Milch verkaufen! - “Das ist sicher nur ein Name”, mutmasste die weibliche Hälfte, “da ist sicher etwas ganz anderes drin”. “Nein nein, das ist saure Milch”, sagte ich und griff in die zwischen Regal und Pärchen entstandene Lücke, um mir meinen Wochenvorrat zu sichern. Beide waren sicher, dass man so etwas doch nicht trinken kann, und ich murmelte etwas von “anders vergoren”, was natürlich, wie mir gleich auch selber auffiel, völliger Unsinn ist, aber ich wollte das Gespräch auch nicht unnötig in die Länge ziehen. Stattdessen dachte ich nach. Was ist denn jetzt wirklich der Unterschied zwischen einer sauren und einer sauergewordenen Milch? Die Wikipedia belehrte mich, dass ich die beiden vielleicht durch die Übersetzung “Dickmilch” hätte beruhigen können. Das Wort ist wiederum mir völlig neu.

Die Sauermilch und ich, wir haben eine lange, innige Beziehung. Die rührt daher, dass ich als Kleinkind, beginnend angeblich noch vor meinem 2. Geburtstag, Milch kategorisch verweigerte. Für meine Verwandten war das eine Katastrophe, ein Kind ohne Milch großzuziehen, das war nicht einmal denkbar. Es half aber nix, und wenn man mir die Milch mir mehr oder weniger Gewalt aufzwingen wollte, hatte man sie stattdessen garantiert gleichmäßig über den ganzen Raum verteilt - entweder gleich, oder aber ein paar Augenblicke später. Gut, es gab da einen Trick, der funktionierte - Einen Mix aus halb Milch und halb Schokolade akzeptierte ich. Aber da Schokolade angeblich ebenso ungesund war, wie die Milch gesund war, verminderte das die Sorge um das milchverweigernde Kind fast gar nicht.

Bis auf irgendeinem Ausflug, fragt mich nicht, wann und wo, ein Teller Sauermilch in mein Leben trat. Jemand ließ mich kosten, Spucktuch bereit. Ich spuckte nicht, ich wollte mehr. Und wurde fortan, soweit wir uns im Umfeld irgendwelcher Milchbauern bewegten, mit Sauermilch großgezogen.

Die Sauermilch damals wurde allerdings nicht, wie auf der nöm Homepage zu lesen, “durch die Zugabe von speziellen Milchsäurekulturen zur Milch” gesäuert, sondern man nahm einfach kuhwarme Milch, goß sie in ein nicht allzugroßes Gefäß und ließ sie lange genug im Warmen herumstehen. Ich kann nur vermuten, dass dabei “lange genug” das Schlüsselwort ist, denn eigentlich gibt’s ja nur eins, das noch grausiger ist als Milch, und das ist sauergewordene Milch. Die Flocken im Kaffee. Und der Geruch aus dem Päckchen. Brrr.

Die saure Milch dagegen, also die vom Bauern, war stichfest (nicht cremig wie die heute im Packl), schmeckte köstlich säuerlich und gar nicht milchig und prickelte ganz leicht auf der Zunge. Das fade Zeugs aus dem Kühlregal ist ja mehr so ein offenbar massenkompatibles Downgrade der damaligen Köstlichkeit. Wobei, lange Zeit gab es ein kleines Refugium für echte Sauermilchfans, nämlich das Fru-Fru - richtige, stichfeste Sauermilch auf Früchten. Die Früchte musste man ja nicht unbedingt mitessen. Dummerweise wurde das vor kurzem auch umgestellt auf die gerührte Konsistenz, die im Geschmack ans Original einfach nicht rankommt. Und dann auch noch mit Vanille. Sauerei!

Jedenfalls erinnerte mich der Vorfall an einen EInkauf vor gar nicht allzu langer Zeit, ich weiß jetzt nicht mehr wo, aber mit Sicherheit in einem der Sauermilch-Himmel meiner Kindheit - also entweder in der Steiermark oder in Salzburg. Vor dem dortigen Kühlregal fragte ich einen, zugegeben ziemlich jungen, Verkäufer, wo es denn die Sauermilch gäbe. “Sauermilch?”, fragte er, “Meinen sie - saure Milch?” und sein Gesichtsausdruck glich in Entsetzen und Ekel ungefähr dem des heutigen Pärchens. Er hatte ganz offenbar die Köstlichkeit noch nie gekostet, schlimmer noch: Er hatte noch nie in seinem Leben davon gehört.

Seither mache ich mir ein bisschen Sorgen, dass diese Päckchen früher oder später aus dem Kühlregal verschwinden könnte. Obwohl der Unterschied zwischen der industriell abgemilderten Variante ohnehin nicht mehr allzu groß ist im Vergleich zum ebenfalls industriell abgemilderten Joghurt, und man die beiden geschmacklich beinahe austauschen könnte. Aber halt nur beinahe.

Vielleicht muss ich mir einen Milchbauern suchen, für alle Fälle. Da könnte man vielleicht auch wieder ein Stück Butter kriegen. Also ich meine, richtige Butter. Und nicht diese industriell… aber das ist eine andere Geschichte.

PS: Frage an die Leserschaft: Wer - aus welchem Gebiet - kennt Sauermilch? Und wer nicht?

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