Andrea Sturm

Geschreibsel

Falsch verdächtigt

18. Februar 2012, 13:23 - Geschreibsel · Anderswelt

Vom Berg und an der Autobahn entlang mit den Fahrrädern, seltsam bullige BMX-Dinger sind das. Jemand steigt zu mir auf und ich brettere den Abhang hinunter, bremsen oder nicht bremsen? Als ich mich entschieden habe, ist es zu spät. Also nur noch lenken, es rauscht sich gut, dann Schrecksekunde, aber auch der Sand bringt mich nicht aus dem Gleichgewicht, und wir erreichen den Eingang zu der kleinen Universitätsstadt in den Bergen. Meine Passagierin steigt ab und bedankt sich überschwenglich. Der Sufi bremst sich neben mir ein und grinst ein zufriedenes Geschwindigkeitsrauschgrinsen.

Es ist gar keine Stadt, ein winziges Dorf ist es und mitten drin ein riesiger Universitätskomplex. Berge und Dorfarchitektur vertraut als wäre es bei uns, aber es ist doch irgendwie im Süden. Dennoch wird hier Deutsch gesprochen. Der Herr Sufi ignoriert wie üblich alle Schilder und stürmt die Treppe hinauf, an der “Ausgang - kein Zutritt!” steht. Eine Menschenmenge kommt uns entgegen. Ich habe Mühe, mein Fahrrad über die Zutrittsbarriere zu stemmen, während er oben schon mit dem Verantwortlichen diskutiert. Schwarz, schwarzer Bart, schwarze Kleidung. Der Mann sieht mich böse an und sagt: “Für Sie habe ich garantiert keinen Job, wenn Sie schon die einfachsten Regeln missachten.” - “Wieso Job?” frage ich und will erklären, dass wir von hier berichten sollen, der Sufi und ich, ein schönes Stimmungsfeature über das Studieren in den Bergen. Der Sufi aber ignoriert ihn und zieht mich an der Hand in das Gebäude, mein Fahrrad bleibt stehen. Durch Keller und Abstellräume kommen wir ins Hauptgebäude des Komplexes, wieder lange Treppen, ganz oben ein Restaurant aus Glas. Mit bleibendem Staunen bewundere ich die Landschaft, während wir Kaffee trinken. Von weither grollt sich ein Gewitter heran. Wie die Wolken wechseln mit dem blauen Himmel, vor und hinter den schroff-grünen Berghängen.

“Wir sollten zum Hotel fahren”, sagt der Sufi, “bevor die Ausrüstung nass wird.” Er trinkt aus und will das Auto holen. “Mein Fahrrad”, sage ich. Ich werde es holen, dann treffen wir uns wieder. In den gläsernen Gängen mit vielfältigen Lichtinstallationen verlaufe ich mich ein ums andere Mal, lande schließlich in einer kombinierten Bibliothek und Buchhandlung, auch hier viel Glas auf 3 offenen Ebenen, dazu Holzbänke, und eigentlich möchte man sich hinsetzen und verlieren in der Büchervielfalt. Ich denke, man könnte ja auch das Gewitter hier abwarten, da ruft mich eine Frau. Sie hat mich erkannt, sie hat uns hierher eingeladen. Sie kann mich zu meinem Fahrrad bringen.

Vor dem Ausgang der Bibliothek ein gemütlicher Gastgarten, Schirme, alte Bäume, Studenten sitzen hier und lernen, lesen, tratschen. Plötzlich Aufruhr und Schreie, irgendwo um die verwinkelte Ecke. Ein seltsames Geräusch, riesige Tropfen müssen das sein auf den Platanenblättern, aber seltsam, immer 3: Pfltsch-pfltsch-pfltsch, kurze Pause, dann wieder drei. Das sind keine Tropfen, begreife ich ich dann, es sind Schüsse, und schon pfeift eine Kugel heran und bringt die Glaswand zum sirren, laut und intensiv. Die Schussgeräusche dagegen bleiben klein und blass, während Hektik ausbricht. Um die Ecke fällt einer mit einem großen roten Fleck auf der Brust, auch im Gastgarten die ersten Treffer. Ich laufe in die Bibliothek zurück, hoffe, dass die Scheiben halten. Meine Führerin spricht hektisch in ein Funkgerät, dann sieht sie mich. “Lauf!” sagt sie und zeigt in eine Richtung. Ich laufe, die Treppe hoch, andere um mich herum laufen auch, zerstäuben dann in verschiedene Gänge. Dort, wo ich hin soll, wieder ein gläserner Gang, man sieht genau in die Gasse, in der es angefangen haben. Da unten liegen Menschen, erschossen, angeschossen. Immer in Dreier-Gruppen, so wie die Schüsse fielen. Fotografieren, denke ich, das muss man fotografieren, damit niemand sagen kann, es wäre anders gewesen. Sie werden es ganz anders erzählen, wenn niemand das Gegenteil beweisen kann. Jemand muss das festhalten, damit es niemand anders erzählen kann. Meine Kamera ist im Auto. Hat denn niemand eine Kamera? Niemand hat eine Kamera, und es ist auch niemand interessiert, denn das Geräusch der Schüsse hat sich verändert, hallt jetzt bassig durch den Bibliothekssaal. Folgt uns in den Gang. Ich bin nicht schnell genug. Eine Treppe führt nach unten, ich lasse mich fast hinunter fallen, eine weiße Tür, angelehnt, dahinter Turnsaalgarderoben.

Hier ist nichts mehr mit Glas und Glamour, Kellerfitnessstudioumgebung, ich ducke mich zwischen zwei Garderobenkästen und habe doch kaum Hoffnung, sie werden mich gesehen haben, sie werden mich atmen hören. Schritte auf der Treppe. Ein blondes Gesicht an der Tür vorbei, “Alle! wir müssen sie alle kriegen!” - Das wars dann, denke ich. “Dort!” eine andere Stimme, die Schritte entfernen sich, dann wieder Schüsse. Ich warte, lange. Unsicher. Was jetzt?

Mein Telefon läutet. Der Sufi. “Das verdammte Auto springt nicht an.” Ist auch besser so, sage ich. Hier wird geschossen. Bleib wo du bist, ich bin gleich da.

Jetzt ist nichts mehr verwirrend an den Gebäuden, ich finde die Ankunftstreppe ohne Probleme. Der Dunkle sitzt oben in einem Campingstuhl und liest in der Zeitung, als wäre nichts geschehen. “Da unten wird geschossen” sage ich zu ihm. “Ich weiß. Hab’s ohnehin satt.” Er schaut kaum von seiner Lektüre auf. Mein Fahrrad ist weg. “Nehmen Sie meins.” Er hat offenbar vergessen, wie zornig er uns war.

Sirenen und Hubschrauberlärm begleiten mich aus dem Dorf. Auf einer verlassenen Tankstelle zapfe ich einen Kanister voll Diesel, vielleicht ist ja nur der Tank leer, denke ich. Auf dem Parkplatz sitzt der Sufi und brät ein Steak am Campingkocher. Wir sollten verschwinden, sage ich. Nach dem Essen, sagt der Sufi. Am Parkplatz vorbei gluckert ein kleines Bächlein, der Sufi hat seine Hängematte in den Bäumen aufgehängt. Ein Polizeiwagen biegt auf den Parkplatz ein. Der zerzauste Landpolizist schaut zögerlich drein und fragt, ob wir etwas gesehen haben. “Ja,” fange ich an “Nein!”, unterbricht mich der Sufi und bietet dem Polizisten ein Stück vom Steak an. Der schüttelt bekümmert den Kopf und geht.

Ich schalte das Radio ein. In der Bibliothek hat es angefangen, erzählt der Sprecher, dunkle Männer seien es gewesen. “Es war ganz anders” sage ich. Der Sufi nickt. “Auf der Straße hat es angefangen. Und der Mann war blond”, sage ich. “Hmhm”. sagt der Sufi nur.

Wir fahren durch das Dorf. “Hier hat es angefangen, in dieser Gasse”, sage ich. Die Gasse, in der die Erschossenen gelegen sind, ist sauber und aufgeräumt. Die Gastgärten sind gut besucht. “Lass uns einen Kaffee trinken”, beschließt der Sufi. Ich will das nicht, nicht da, wo vor ein paar Stunden noch Tote und Verletzte gelegen sind, aber er ist schon ausgestiegen. Alles sieht aus, als wäre nie etwas passiert. Nur drüben am Eingang zur UNI stehen ein paar Einsatzfahrzeuge.

Zwei Polizisten führen den Dunklen vorbei, in Handschellen. “Er war das nicht!” rufe ich. “Ich weiß” sagt der Polizist und knufft den Dunkeln in die Seite. Der zwinkert mir zu. “Er hat nur gelesen,” sage ich, “Er hat mir sein Fahrrad gegeben!” - Aber mein Satz ertrinkt in den Kirchenglocken, die plötzlich läuten, sehr laut, und nicht mehr aufhören wollen. Die Schallwellen zeichnen Kringel in den Kaffee.

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Long Long Time Ago

13. Februar 2012, 23:54 - Geschreibsel · Nostalgia

Hätt’ ich mal auf meine Großeltern gehört und das Akkordeon damals nicht an den Nagel gehängt, dann wär ich jetzt vielleicht… ja was? Eine totgesoffene Volksmusikerin?

Stattdessen in die große Stadt gezogen und in einer WG gewohnt. Das Zimmer war vorwiegend mit Wäscheleine und Kassettenrekorder möbliert. (Eine Matratze gab’s aber auch noch, irgendwo.)

Irgendwas hab ich wohl doch richtig gemacht, damals.

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Nanowrimo 2011

01. Dezember 2011, 20:32 - Geschreibsel

Nach meiner vierten Runde Nanowrimo bin ich etwas erschöpft, furchtbar unzufrieden mit der Story, aber zufrieden damit, es durchgezogen zu haben.

Winner!

Im Rückblick auf vier Jahre Nano habe ich festgestellt, dass es vier sehr verschiedene Erfahrungen waren. “Been there, done that” gilt also nicht, es kann und wird vermutlich ein nächstes Jahr geben - wer weiß, was ich dann wieder über mich und das Schreiben lerne.

2008 war ich Nano-Neuling, hochmotiviert und bestens vorbereitet. Ich habe meinen täglichen Wordcount eingehalten und akribisch meine Fortschritte notiert. Herausgekommen ist eine Story, von der ich dachte - oder eigentlich immer noch denke - dass sie mit ein bisschen Zuwendung druckfähig und lesenswert ist. (Ich müsst es halt nur machen.)

2009 hatte ich eine neue Geschichte im Kopf, aber als ich meine Finger auf die Tastatur legte, drängten sich die Figuren aus dem Vorjahr in den Vordergrund. Die Geschichte war zwar rund, aber meine Charaktere vom letzten Mal waren noch nicht miteinander fertig. Ich ließ es zu, und es war ein Sequel, das man - mit etwas Arbeit - mit der 2008er-Geschichte verweben und diese noch lesenswerter machen könnte. (Ich müsst es halt nur machen.)

2010 hatte ich eine vage Idee im Kopf, die sich schon in der ersten Session als unhaltbar erwies. Entmutigt und von dummen RL-Problemen abgelenkt, gab ich schon vor Ablauf der ersten Woche auf.

2011 hatte ich den verwegenen Plan, in mein Unterbewusstsein zu tauchen und eine beinharte Abrechnung mit meinem bisherigen Leben zu verfassen. Allein, mein Unterbewusstsein sträubte sich. Statt tiefer Gefühle und Einsichten zauberte es sprechende Katzen, timewarpende Räume und eine Vielzahl an bunten Alternativ-Universen hervor. Das war ein bisschen frustrierend, und ich war mehr als einmal daran, den unliterarischen Unsinn hinzuwerfen. Es gab Tage, an denen ich gar nichts schrieb, Tage, an denen ich schrieb, aber keinen Worcount eingetragen habe, weil ich alles einfach nur unerträglich schlecht fand, und Tage, an denen ich mich an den Computer prügelte, um 2-3tausend Wörter aufzuholen, die ich aus Frustration am Vortag wieder gelöscht hatte. Weil ein zweites Mal “verlieren” wollte ich nicht. Am Schluss stand ein dreitägiger Schreibmarathon, 17.000 Wörter. Da bleibt keine Zeit zum Denken oder gar Rechtschreiben. Am Schluss hatte ich Hemmungen, das Ding zu validieren - weil einfach völlig klar war, dass das Resultat durch und durch Scheiße ist. Aber auf den zweiten Blick: Eine gute Geschichte wird ja bei Nano nicht verlangt. Es genügt eine Geschichte, mit Anfang, Mitte und Schluss, in mindestens 50.000 Wörtern. Und das habe ich auch “vollbracht”. Lesenswert oder gar literarisch wertvoll muss es nicht sein.

Daher wird von meiner heurigen Geschichte “Dark Days” nichts weiter öffentlich werden als dieses hübsche Wordle-Doodle. Und ich bin trotzdem zufrieden. Und das ist auch gut so.

“Dunkle Tage”

02. November 2011, 22:24 - Chronistisch · Geschreibsel

Muss schon sagen, Nanowrimo lässt sich etwas zäh an, dieses Jahr.

Nanowrimo2011 - Tag2

Nachdem ich die geplante Story im letzten Moment verworfen habe, hat mein Stream of Consciousness mir eine sprechende Katze, eine saufende Ex-Rocksängerin und einen kiffenden Physiker beschert, die alle miteinander tote Menschen sehen (na gut: Einen toten Menschen), muss ich wohl entweder komplett in Richtung Science Fiction abdrehen, oder eine Drogenorgie draus machen. Hm. Oder fang ich noch mal ganz von vorne an?

(Warum das Kommentieren in diesem Eintrag nicht möglich ist, ist mir selbst unklar. Schau ich mir morgen an.)

Aufgeweckt

01. Oktober 2011, 11:16 - Geschreibsel · Dialoge

Beim Hofer. Ein Vater mit Kind im Volksschulalter beschließt, den Wochenend-Einkauf gleich pädagogisch zu nützen.

Vater: Schau, da gibt es zwei Tafeln Schokolade, eine große und eine kleine. Die große hat 150 Gramm und kostet 1,89. Die kleine hat hundert Gramm und kostet 1,29.
Kind: tänzelt gelangeilt herum
Vater: Also, wenn wir jetzt wissen wollen, welche wirklich billiger ist… (überlegt sichtlich, wie er den komplizierten Sachverhalt ans Kind bringt) ...also dann müssen wir uns zuerst ausrechnen, was ein Kilo von der Schokolade kostet.
Kind: tänzelt noch immer
Vater: Also, wenn 150 Gramm 1,89 Euro kosten, dann kostet ein Kilo, also, da müssen wir zuerst… tiefe Falten zeichnen sich auf seiner Stirn ab, vermutlich wünscht er, er hätte nie mit dem Thema angefangen ...also, ein Kilo von der Schokolade, das sind…
Kind: Ein Kilo kostet 12,60.
Vater, verblüfft: Aha, wie hast du das gerechnet?
Kind, gelangweilt: Das steht auf dem Schild, Papa.

Abschied vom Südbahnhof

02. Februar 2011, 20:26 - Buch und Literatur · Geschreibsel · Literatur

Wien Südbahnhof

Vor ein paar Monaten flatterte eine Anfrage des Wieser-Verlages in mein Email-Postfach - ob ich einen Text zu einem kleinen, feinen Bändchen über den mittlerweile abgerissenen Südbahnhof beisteuern würde, ein Liebhaberprojekt. Ich sagte zu, und als sich eine Weile nichts tat, vergass ich die Sache wieder. Bis - ja bis vor ein paar Tagen ein kleines Päckchen mit Belegexemplaren den Weg in meinen Postkasten fand.

Dem echten Wiener wird sein Südbahnhof fehlen, auch dann, wenn er von der Richtigkeit des neuen Bahnhofsprojekts überzeugt ist. Dem aus Süden Zugereisten wird er erst recht fehlen, denn er hat von diesem Bahnhof aus den ersten Blick auf die Wienerstadt geworfen. Deshalb ist die Idee von Herausgeber Thomas Kohlwein eine ganz wunderbare - ein literarischer Spaziergang durch die Geschichte eines Bahnhofs und seiner (Durch)Reisenden.  Die Geschichten sind sehr verschieden und doch verbunden durch das Gefühl des Unterwegs-Seins, und sie lassen staunen, wie verschieden ein Ort sich den Menschen einprägen kann.

Die literarische Reminiszenz an den verlorenen Bahnhof ist insgesamt sehr schön geworden, es ist ein stimmiges und trotz der Schwarzweiß-Bilder lesbar buntes Büchlein, eine richtig schöne Erinnerung an den alten Bahnhof und all die Dinge, die er in seiner Zeit gesehen hat.

Mein Text ist übrigens dieser hier, und er fühlt sich fast ein bisschen eingeschüchtert in der Gesellschaft von Größen wie Bachmann, Handke und Qualtinger. Und ein Foto von mir kommt auch drin vor:

Somewhere under the rainbow

2 x mitgeredet

Beziehungskrisen-Prequel

22. Dezember 2010, 13:39 - Geschreibsel · Dialoge

Am Supermarkt an der Kasse. Vor mir ein Pärchen in den Mitt-Dreißigern.

SIe: “Jetzt hätt ich Gust auf ein Vanilleeis”.
Er: “-”
Sie: “Mit Karamellsauce und Schlagobers.”
Er: “-”
Sie: “und einer Kirsche obendrauf.”
Er: “Wolltest du nicht noch Tampons kaufen?”

Nein!

11. November 2010, 22:14 - Geschreibsel · Dialoge

Im Supermarkt, an der Kasse. Die Schlange stockt, weil die Kassierin mit irgendeinem Ding weg ist, um dessen Preis herauszufinden. Vor mir eine ältliche Dame, vor ihr eine Mutter mit Kind (geschätzte 3-4 Jahre) im Buggy .

Die ältliche Dame zum Kind: “Eieiei, du bist aber lieb!”
(Kind guckt, als würde es gleich zu brüllen anfangen)
äD: Wie heißt du denn?
K: (schaut verzweifelt mich an)
äD (süßlich): Bist du ein Bubi?
K: (sehr bestimmt) NEIN!
äD: Also bist du ein Mädi?
K: NEIN!
äD: Also entweder du bist ein Bubi oder du bist ein Mädi.
K: NEIN!
äD (zur Mutter): Was ist es denn?
M: schüchtern.
äD: Ah so, na, dann bist aber ein Mädi, gell?
K: NEIIIN (jeiert)
M: Jetzt ist aber genug. (dreht den Kinderwagen um)
äD: Nein!

(Schweigen breitet sich aus)

The Fire Inside

14. Mai 2010, 22:43 - Geschreibsel · Nostalgia · Musik & Sound

Ich hör ja wenig Musik in letzter Zeit, aus keinem bestimmten Grund, ist einfach so passiert. Und ich vergesse schnell, also nicht wirklich, Dinge und Ereignisse vergesse ich selten, aber Emotionen, die verschwinden sehr schnell spurlos, ein Phänomen, dem ich in meinen (offline-)Texten auf der Spur bin, ohne ihm wirklich nahe zu kommen. Das Leben ist seltsam.

Natürlich gibt es Trigger, die dann das Vergessene - oder vergessen geglaubte - wieder ausbuddeln, und wie der Hund in dem Gedicht, das wir seinerzeit in der Schule strafweise auswendig lernen mussten, so steht das Gefühl dann grinsend da und umarmt mich, als wäre gar keine Zeit vergangen. Gerüche sind stark, der Regen auf blühenden Frühlingsbäumen, auf staubiger Straße, das trägt die Jahre weg wie kaum etwas Anderes. Und die Musik natürlich. Musik ist Besonders.

Und so kam es, dass ich heute beim Bipa erstarrte und eine Minute lang auf die erstaunliche Produktvielfalt der Abteilung Haarfärbemittel starrte, obwohl ich derzeit gar keinen Bedarf habe - aber gesehen habe ich sie auch nicht richtig. Vielmehr lauschte ich, mit schräggelegtem Kopf und wachsendem Grinsen dem Track aus dem ansonsten meist unsäglichen Bipa-Radio, und tatsächlich starrte ich dabei gar nicht auf die Haarfärbemittel, sondern auf diverse Landstraßen, die zu diesem Song gehören, aber besonders auf elbanische, und irgendwie auch auf die Frau, die damals ich war.

Elba 1993

Und das ist der Song. Ein garantierter Gute-Laune-Song. Egal, wie ich drauf bin, der wirkt immer. Das Leben ist schön, und es ist… meins.

Und das ist natürlich, wenn man auf den Text hört, ganz und gar kein glücklicher Song. Aber es ist auch schwer, auf den Text zu hören, weil da dieses Klavier ist. Da-didi-didi-didi-di. Und da ist sie, die gute Laune. unweigerlich. Da-didi-didi-didi-di.

3 x mitgeredet

Wien, bunt

11. März 2010, 14:35 - Geschreibsel · Dialoge

Ein Japaner fotografiert die schwer desolaten Telefonzellen in der U-Bahnstation Südtirolerplatz. Der arabisch aussehende Zeitungsverkäufer, 2 Meter daneben: “Was fotografierst du Scheissgraffl? Wien is so eine schene Stadt, gibt genug schene Sachen zum Fotografieren!” Der Japaner lächelt freundlich nickend - und fotografiert den Zeitungsverkäufer.

1 x mitgeredet